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Ulrich Pfaffenberger
Der Cayenne fliegt zum neuen Besitzer

LUFTFRACHT Transporte per Flugzeug sind an Schnelligkeit nicht zu überbieten

Als Anfang 2008 in Leipzig der 200.000. Porsche Cayenne vom Band lief, wartete sein künftiger Besitzer im Mittleren Osten bereits voller Vorfreude auf seinen Neuwagen. Damit er den roten GTS möglichst schnell in der eigenen Garage parken konnte, ging das gute Stück als Eilsendung auf die Reise - per Luftfracht. Ein Service nur für anspruchsvolle Kunden? Keinesfalls. Der Einsatz von "Air Cargo" gehört für den schwäbischen Sportwagenhersteller ebenso selbstverständlich zum Logistikkonzept wie Tempo zum eigenen Image.

Schnell auf ferne Märkte

Beim Transport ihrer Fahrzeuge zu entfernten Exportmärkten verlässt sich die Zuffenhausener PS-Schmiede nicht auf Räder. Porsche hat die internationale Spedition Schenker für die Versorgung des Händlernetzes in Russland ausgewählt. Seit November 2006 gehen Originalteile, Zubehör und Accessoires auf dem Luftweg dorthin. Auch das Retourenmanagement für Garantieteile und Motoren gehört zum Projektumfang. Schenker übernimmt die Originalteile in den Porsche-Zentrallagern in Ludwigsburg und Waiblingen und ist dann für die gesamte Logistikkette verantwortlich: Landverkehr für Nachschubtransporte, Luftfracht für Expressverkehre, Zollabwicklung, Lagermanagement und Abwicklung der Rücksendungen als Komplettservice.

Wie bei Porsche sind für alle international arbeitenden Unternehmen die Logistik- und Warenströme auf drei Kernkompetenzen angewiesen: Schnelligkeit, Pünktlichkeit und Massenverfügbarkeit. Luftfracht, die gerade im ersten Kriterium unschlagbar ist, gehört deshalb zu den absoluten Wachstumsträgern im Luftverkehr. Weil es irgendwo auf der Welt immer einen Platz gibt, auf dem irgendein Luftfahrzeug landen kann - vom Jumbo bis zum Helikopter. Benötigt wird allein eine taugliche Infrastruktur am Abgangs- wie am Zielort, um Be- und Entladung sicherzustellen.

In der Abwägung von Aufwand und Rendite hat die Luftfracht immer öfter die Nase vorn, weil sie jeden Punkt der Erde innerhalb von 48 Stunden erreichen kann. Ersatzteile für Spezialmaschinen sind auf diesem Weg blitzschnell am Einsatzort, genauso wie hochspezialisierte Ingenieure.

Ob es nötig ist, das ganze Jahr über Ananas oder Tulpen nach Deutschland zu fliegen, ist unter ökologischen Gesichtspunkten umstritten - die Hersteller irgendwo auf dem Globus jedenfalls sind dankbar für die Nachfrage und die erweiterten Absatzmärkte. Und der Beaujolais ist so weltweit genauso pünktlich in den Regalen wie die neue Playstation.

Der Autor ist Journalist in Augusburg.

Aus Politik und Zeitgeschichte

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