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Almut Lüder/Jérôme Cholet
Bonn und die Wüsten

UN-SEKRETARIAT 17 Millionen jährlich für weltweite Projekte

Der Lange Eugen im ehemaligen Regierungsviertel in Bonn ist umgeben vom satten Grün der Wiesen und Bäume, nur wenige Meter entfernt fließt der Rhein. Äußerlich deutet nichts darauf hin, dass von hier aus gegen die Ausbreitung der Wüsten gekämpft wird - doch das Hochhaus, das früher die Abgeordnetenbüros beherbergte, ist heute Sitz des Sekretariats zur Überwachung des Übereinkommens der Vereinten Nationen zur Bekämpfung der Desertifikation (UNCCD). Diese Konvention haben die Vereinten Nationen 1994 verabschiedetet. 193 Staaten, darunter auch die Bundesrepublik Deutschland, haben sie inzwischen unterzeichnet. Das Sekretariat koordinidiert seither, ausgestattet mit einem jährlichen Budget von 17 Millionen Euro, den weltweiten Kampf gegen die Wüstenbildung.

Leiter ist Luc Gnacadja aus dem westafrikanischen Benin. Er betont, dass "die Ausbreitung von Wüsten und der Verlust fruchtbarer Böden von Region zu Region sehr unterschiedlich" ist: "Wir finden in jedem Land andere Gegebenheiten vor und müssen unsere Maßnahmen dementsprechend anpassen", erläutert er.

Bei seiner Arbeit verfährt das UNCCD nach klaren Grundsätzen: Partizipation und Dezentralisierung. Die Unterzeichnerstaaten garantieren, dass alle Akteure - etwa Gemeinden, Regierungen und Nichtregierungsorganisationen - auf Augenhöhe zusammenarbeiten. Partnerschaftsabkommen zwischen Industriestaaten und besonders betroffenen Entwicklungsländern sollen zum Beispiel die Auswirkungen von Dürrekatastrophen und Bodenerosion eindämmen helfen. Das Sekretariat organisiert darüber hinaus öffentlichkeitswirksame Veranstaltungen, wie etwa im Jahr 2006 das Internationale Jahr der Wüsten und Wüstenbildung. Alle zwei Jahre veranstaltet es Überprüfungskonferenzen.

UNCCD-Chef Gnacadja ist überzeugt, das die Arbeit des Sekretariats trotz geringer finanzieller Ressourcen wichtig und wirkungsvoll ist: "Auch ohne direkt von Wüsten und Trockenheit umgeben zu sein, können wir von Bonn aus einen wichtigen Beitrag zur Lösung des Weltproblems Desertifikation leisten", meint er: "Schließlich sind wir hier sehr nah an den Zentren der Weltpolitik."

Die Autorin arbeitet als freie Journalistin in Berlin.

Aus Politik und Zeitgeschichte

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