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ORTSTERMIN: »OZEANE«-AUSSTELLUNGOrtstermin
Nicole Alexander
Der Ozean wird wärmer, saurer und leerer

Dort, wo in Sitzungswochen Abgeordnete von Sitzung zu Sitzung eilen, das politische Tagesgeschäft und den nächsten Termin immer im Kopf, können sie zurzeit im wahrsten Sinne des Wortes abtauchen in eine ganz andere, magische Welt: die Tiefsee. "Die Rolle des Ozeans im Klimawandel" heißt die vierwöchige Sonderausstellung im Foyer des Paul-Löbe-Hauses, die bis zum 8. Oktober nach Voranmeldung und im Rahmen von Führungen auch für Besucher von außen geöffnet ist.

Gestaltet ist die Ausstellung als rund 200 Quadratmeter großer schwarzer Kubus, als "Black Box", in der Interessierte die geheimnisvolle Welt der Ozeane, aber auch den Forschungsalltag der Meereswissenschaftler mit allen Sinnen erleben können: Bizarre Meeresgeschöpfe leuchten im Dunkel des Ausstellungsraums (siehe Bild), von der Decke hängen zwei unbemannte Tauchroboter, an einer Hörstation kann man auf Tauchfahrt gehen, an einem interaktiven Tisch mehr über die Folgen der Überfischung erfahren.

Denn bei aller Unterwassermagie: Natürlich geht es den Ausstellungsmachern vor allem darum, auf die Folgen der Eingriffe des Menschen in das sensible Ökosystem Meer aufmerksam zu machen. Im Vordergrund steht dabei der Klimawandel mit seinen tief greifenden Auswirkungen auf die Ozeane. "Uns Meeresforschern machen dabei vor allem drei Dinge Sorgen: Der Ozean wird wärmer, er wird saurer, und der Meeresspiegel steigt", sagt Martin Visbeck, stellvertretender Direktor des Kieler Leibniz-Instituts für Meereswissenschaften, das die Ausstellung gemeinsam mit dem Forschungsverbund "Ozean der Zukunft" und der Muthesius Kunsthochschule Kiel eigens für den Bundestag konzipiert hat.

Über diese erstmalige Zusammenarbeit der Kieler Meeresforscher mit dem Parlament freute sich die CSU-Politikerin Gerda Hasselfeldt. "Der eine oder andere mag sich fragen: Was hat die Rolle des Ozeans im Klimawandel mit der Arbeit des Parlaments zu tun?", sagte die Bundestagsvizepräsidentin bei der Eröffnung der Ausstellung Mitte September. "Doch genau das ist es, was wir mit dieser Ausstellung zeigen wollen: Wie vielfältig die Problematiken sind, mit denen sich die Parlamentarier auseinanderzusetzen haben, und wie wichtig dabei der Wissensaustausch zwischen Wissenschaftlern, Praktikern und Politikern ist."

Erfreulich ist es nicht gerade, was die Meeresforscher dabei zu berichten haben: Die Folgen des Klimawandels machen auch vor den Ozeanen nicht Halt. Aber der Mensch gefährdet die Meere nicht nur durch den Ausstoß an Kohlendioxid, sondern auch durch Überfischung. Das sind zentrale Themen der Ausstellung. Eines jedenfalls machen die Forscher eindrücklich klar: Was der Mensch dem Meer antut, schlägt letztlich auf ihn selbst zurück.

Wichtig ist es den Wissenschaftlern aber auch, auf die Chancen hinzuweisen, die der Ozean für den Menschen birgt - etwa in Form von Bodenschätzen in der Tiefsee. "Wir interessieren uns dafür, wie groß diese Ressourcen sind, ob man sie nutzen kann und wenn ja, wie das nachhaltig geschehen kann", so Visbeck vpm Kieler Meeresinstitut. So zeigt die Ausstellung ein Verfahren, mit dem Mineralien und Gashydrate am Meeresboden abgebaut werden sollen, und erklärt, wie die Forschung an Meeresorganismen neue Therapien in der Medizin ermöglicht.

Dass das Ganze nicht mit erhobenem Zeigefinger daherkommt, ist dem Studiengang Ausstellungsdesign der Muthesius Kunsthochschule zu verdanken, die seit Jahren mit den Kieler Meeresforschern zusammenarbeitet. Eine Woche lang, 15 Stunden am Tag, haben die Studenten Anfang September damit verbracht, die "Black Box" im Paul-Löbe-Haus aufzubauen, erzählt Rainer Ernst, Präsident der Kunsthochschule. Ihr Ziel: Die Faszination der Tiefsee authentisch erlebbar zu machen.

Infos und Anmeldung zur Ausstellung unter

www.ifm-geomar.de/go/plh-ausstellung

Aus Politik und Zeitgeschichte

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