Inhalt

Kurz rezensiert
Werner Hornung
Kurz notiert

Seine wissenschaftstheoretische Brille stammt aus der Werkstatt des Soziologen Max Weber - das hat der inzwischen 78-jährige Hans-Ulrich Wehler immer wieder betont. Und beim analytischen Blick auf vergangene Entwicklungen und Strukturen interessieren ihn vor allem Politik, Wirtschaft, Kultur und die soziale Hierarchie.

Ein "Land ohne Unterschichten", so der Titel seines zwölften Sammelbandes, ist die Bundesrepublik bestimmt nicht - da widersprach der Bielefelder Historiker 2006 einigen realitätsfernen Politikern heftig. Diese Entgegnung und 30 weitere Essays sind seitdem in unterschiedlichen Medien erschienen und hier erneut zu lesen. Es sind Beiträge zu tagespolitischen Debatten, beispielsweise zum umstrittenen EU-Beitritt der Türkei, zum Thema Nationalismus/Patriotismus und zu höchst unterschiedlichen Personen, etwa zu Otto von Bismarck oder Alice Schwarzer.

Zudem bietet der Band mehrere Rezensionen des Historikers. Auch sie bereiten intellektuelles Vergnügen, da Wehler neue Bücher seiner Fachkollegen - ähnlich wie Marcel Reich-Ranicki bei belletristischer Literatur - entweder entschieden lobt oder kritisiert.

Hans-Ulrich Wehler:

Land ohne Unterschichten? Neue Essays zur deutschen Geschichte.

Verlag C. H. Beck, München 2010; 288 S., 14,95 €

Aus Politik und Zeitgeschichte

© 2020 Deutscher Bundestag