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PRO: ARBEITGEBERANTEIL EINFRIERENGastkommentar
Margaret Heckel
Mehr Ehrlichkeit

Auf den ersten Blick ist das Einfrieren der Arbeitgeberbeiträge in der Krankenversicherung für die Arbeitnehmer bitter. Sie müssen alle Kostensteigerungen in Zukunft selber tragen.

Doch die geteilten Beiträge waren immer eine Fiktion. Nie hat das Unternehmen die Krankenversicherung hälftig gezahlt, sondern die Gesamtkosten kalkuliert. Anders gesagt: Der Mitarbeiter hat sich seinen Zuschuss zur Krankenversicherung schon immer selbst verdient. Nahmen die Kosten zu, mussten die Mitarbeiter produktiver werden.

Wenn die Beschäftigten steigende Beiträge nun allein zahlen, ist das ein Schritt zu mehr Ehrlichkeit. Klug genutzt, kann er den Versicherten mehr Macht geben: Zum einen können sie durch die Wahl und gegebenenfalls den Wechsel ihrer Krankenkasse die Höhe der Zusatzbeiträge drücken. Zum anderen wäre es wünschenswert, wenn sie sich stärker als fordernde Einkäufer einer Versicherungsleistung sehen - und Druck auf den Dienstleister, ihre Versicherung, machen.

Denn die Kassen haben eine zentrale Aufgabe im Reformgeschehen. Sie sind es, die Verträge mit Ärzten, Pharmaherstellern und Krankenhäusern machen. Die Kassen haben es in der Hand, Strukturveränderungen einzufordern und so Wirtschaftlichkeitsgewinne zu realisieren. Es ist keinesfalls Schicksal, dass die Kassenbeiträge immer weiter steigen. Nach glaubhaften Angaben vieler Experten gibt es gewaltige Sparmöglichkeiten. Jeder Patient kennt sie: Doppeluntersuchungen, falsch organisierte Praxen, Krankenhäuser, in denen die eine Hand nicht weiß, was die andere macht.

Aus Politik und Zeitgeschichte

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