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PRESSESTIMMEN AUSLAND
Johannes M. Müller
»Fragen nach der Identität«

Neue Zürcher Zeitung (Schweiz):

"Hier und da wurde der umstrittene Satz des Bundespräsidenten sanft, aber folgenreich umgebogen in eine Richtung, die er so vielleicht nicht gutgeheissen hätte."

Le Monde (Frankreich):

"Auch wenn die Deutschen zu 84 Prozent die Wiedervereinigung begrüßen, stellen sie sich doch immer noch Fragen bezüglich ihrer Identität. Der ehemalige christdemokratische Spitzenpolitiker Christian Wulff machte in seiner Rede klar: ´Das Christentum gehört zweifelsfrei zu Deutschland. Das Judentum gehört zweifelsfrei zu Deutschland. Das ist unsere christlich-jüdische Geschichte. Aber der Islam gehört inzwischen auch zu Deutschland.´ Ohne ihn zu zitieren, reagierte Wulff damit auf Thilo Sarrazin, den Autor eines kürzlich erschienenen Bestsellers über den Niedergang Deutschlands, der Sarrazin zufolge durch die übermäßige Zuwanderung vor allem von Türken verursacht wird."

Los Angeles Times (USA):

"Wulff [...] sprach sich in seiner Rede am Sonntag nachdrücklich für die harmonische Integration von Zuwanderern aus, die noch vor zehn Jahren als ,Gastarbeiter' betrachtet wurden, die irgendwann nach Hause zurückkehren würden."

Wiener Zeitung (Österreich):

"In Deutschland hat Bundespräsident Christian Wulff die Debatte um das Selbstverständnis seines Landes neu befeuert, als er in seiner Rede zum Tag der Deutschen Einheit erklärte, dass - neben den jüdisch-christlichen Wurzeln - nunmehr auch der Islam zu Deutschland gehöre. Keine 48 Stunden später hatte Deutschland seine nächste Leitkultur-Debatte in den vorhersehbaren Bahnen. Dabei hat das Land noch nicht einmal die Thesen Thilo Sarrazins richtig verdaut."

La Stampa (Italien):

"Seit einiger Zeit scheint offenbar die Angst nach Deutschland zurückgekehrt zu sein, dass sich die große eingewanderte Gemeinschaft moslemischen Glaubens nicht in der Form ´integrieren´ lässt, wie man es sich vorstellen wollte oder es sich vorgestellt hat."

Aus Politik und Zeitgeschichte

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