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Jörg Müller-Brandes
Eine deutsch-deutsche Biografie

Kunst Ausstellung im Bundestag präsentiert das Schaffen und Werk von Bernhard Heisig

Dies ist eine ziemlich echte deutsch-deutsche Kunstausstellung. Und Ihre Biografie ist eine echte deutsch-deutsche Künstlerbiografie." Mit diesen Worten eröffnete Bundestagspräsident Norbert Lammert (CDU) die Ausstellung "Bernhard Heisig -Das große Welttheater" am vergangenen Donnerstag im Kunst-Raum des Bundestages im Marie-Elisabeth-Lüders-Haus. In seiner Eröffnungsrede verneigte sich Lammert vor dem 85-jährigen Künstler, der als einer der Protagonisten der Leipziger Schule und damit der DDR-Kunst gilt und Sohn des Breslauer Malers Walter Heisig ist.

Der Besucher hat nun erstmals die Chance, Heisigs Werk in seiner Entstehung nachzuvollziehen. Die Ausstellung rekonstruiert mit Vor- und Nachfassungen, durch fotografische Dokumente und Farbstudien sein Schaffen. Ein Höhepunkt der Ausstellung ist Heisigs Bild "Ikarus". Zum einen, weil es bereits 1976 im Palast der Republik der DDR hing und weil es nun erstmals seit zehn Jahren wieder ausgestellt wird. "Schon damals in Ost-Berlin war das Motiv ,Ikarus', dieser Mythos von Ehrgeiz, Selbstbewusstsein, Stolz und tiefem Fall, ein Politikum - und ist es bis heute", so Lammert. Gleiches lässt sich auch über das Portrait von Helmut Schmidt sagen, mit dem der SPD-Kanzler Heisig 1986 beauftragt und damit in Ost wie West für Verblüffung gesorgt hatte.

Der Titel der Ausstellung "Das große Welttheater" ist der barocken Farbpracht der augestellten Werke geschuldet, aber auch der Idee von einer Bühne, auf der in schicksalhafter Gemeinschaft Helden, Verbrecher und Opfer der Geschichte durcheinander gewirbelt werden - so auch auf seinem Gemälde "Zeit und Leben", das er 1999 für das Reichstagsgebäude schuf. Heisigs Bilder, der mit seiner einzigartigen Technik zuvor Angefertigtes wieder abkratzt, übermalt, wieder verwirft und neu kreiert, wirken wie ein Spiegel seines Lebens. Seine Panoramen sind ebenso im Übergang begriffen, wie der Künstler durch seine Herangehensweise selbst. Ein organischer, lebender Prozess - nicht selten durch Leid geprägt. Dieses ist Heisig gut vertraut. Als junger Mann kämpfte er in der Waffen-SS und wurde verwundet. In der DDR trug er einen anderen Kampf aus: Für eine freiere Kunst gegen ein totalitäres Regime.

Aus Politik und Zeitgeschichte

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