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AUFGEKEHRT

Mit Raab für die Quote

Zugegeben: Es läuft gerade nicht optimal für das Dreamteam Lena Meyer-Landrut und Stefan Raab. Kaum einer mag den beiden dabei zusehen, wie sie verschiedene Lieder präsentieren, mit der die Sängerin ihren Titel beim Eurovision Song Contest verteidigen soll. Die Quoten sind unterirdisch. Dennoch: Die Methode Raab verdient einen zweiten Blick - und könnte sich in der Politik durchsetzen. Wie oft schon hat der Wähler beklagt, dass er sich mühsam zwischen mehreren Kandidaten entscheiden muss, die am Ende doch dasselbe tun? Seit Franz Münteferings offenherzigem Bekenntnis, im Grunde halte sich keine Partei nach der Wahl an das, was sie vorher versprochen hat, ist klar: Eigentlich ist wurscht, wer gewinnt. Warum es bei der nächsten Wahl also nicht machen wie der gelernte Metzger Raab? Man präsentiert einfach einen Kandidaten und lässt dann nur darüber abstimmen, welche Inhalte er oder sie möglichst glaubhaft rüberbringen soll. Mit welchen Phrasen die meisten Punkte zu holen sind, wird deutlich werden, wenn ein und derselbe Kandidat fünf- bis achtmal gegen sich selbst antritt.

Dass Politiker ohnehin das ganze Spektrum der Meinungen abdecken können, ist ja sowieso unstrittig: So kann Angela Merkel es problemlos für einen Skandal halten, dass es nicht mehr Frauen in Führungsetagen gibt, und gleichzeitig gegen eine Quote sein, die eben das beheben soll. Und die SPD kann sich in ein und demselben Atemzug rühmen, mit der Hartz-IV-Gesetzgebung längst überfällige Reformen angestoßen zu haben, und zugleich das Gesetzeswerk als komplett unzureichend verurteilen.

Möglicherweise sollte Merkel sich aber beeilen, wenn sie diesen Wahlmodus in Betracht zieht. Denn mit einem guten Abschneiden von Lena in Düsseldorf steigt auch die Gefahr, dass deren Mentor Raab sie im Mai einfach selbst zur Kanzlerin erklärt. Spätestens dann dürfte die Quote stimmen.

Aus Politik und Zeitgeschichte

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