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Tatjana Heid
Fachkräfte sollen kommen

ARBEIT UND SOZIALES

Es gibt zwar keinen flächendeckenden Fachkräftemangel in Deutschland, dennoch besteht Handlungsbedarf: Darin waren sich die Sachverständigen in einer öffentlichen Anhörung des Ausschusses für Arbeit und Soziales am vergangenen Montag einig. Gegenstand der Anhörung waren je ein Antrag der Fraktion Bündnis 90/Die Grünen (17/3198) und der Fraktion Die Linke (17/4615).

Besonders bei Ingenieurberufen und im Gesundheitsbereich gebe es Besetzungsprobleme, erklärte Ulrich Walwei vom Institut für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung. Zudem verließen mehr Hochschulabsolventen Deutschland als aus anderen Ländern einwanderten. Zu- und Abwanderung seien ein "globales Phänomen", sagte Achim Dercks vom Deutschen Industrie- und Handelskammertag. Deutschland müsse die Grenzen öffnen, sonst verliere man im Wettbewerb um qualifizierte Arbeitnehmer.

16 Prozent der Erwerbstätigen seien dauerhaft ohne Ausbildung, sagte Johannes Jakob vom Deutschen Gewerkschaftsbund. "Das System grenzt offensichtlich eine große Gruppe aus." Zudem hätten Flexibilisierung und Leiharbeit die "Dequalifizierung" vorangetrieben. Eine Neubewertung des Alters sei die "zentrale Herausforderung in der Arbeitsmarktpolitik" der kommenden 20 Jahre, sagte der Einzelsachverständige Jürgen Pfister. "Wir haben die Menschen zu lange in Frührente geschickt." Auch Frauen seien noch immer auf dem Arbeitsmarkt benachteiligt, betonte die Sachverständige Claudia Weinkopf. Im internationalen Vergleich gebe es eine "beispiellose Benachteiligung" bei der Entlohnung, Frauen hätten es zudem schwerer, in Führungspositionen zu kommen. "Wir brauchen die Quote, um gut ausgebildeten Frauen den Einstieg zu ermöglichen", sagte Weinkopf.

Aus Politik und Zeitgeschichte

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