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Helmut Stoltenberg
Gelobt auch von der Opposition

THOMAS DE MAIZIÈRE Der neue Verteidigungsminister ist ein erfahrener Polit-»Allrounder«

Nach den harschen Attacken der Opposition gegen Ex-Verteidigungsminister Karl-Theodor zu Guttenberg (CSU) fällt das Lob für seinen Nachfolger besonders auf: Für Sigmar Gabriel ist Thomas de Maizière ein Mann, "den ich persönlich sehr schätze und den ich für einen der besten Mitglieder des Kabinetts halte", wie der SPD-Vorsitzende am vergangenen Mittwoch sagte. Und Grünen-Fraktionschef Jürgen Trittin würdigte den CDU-Politiker als "stillen, soliden Handwerker".

Tatsächlich unterscheidet sich der Politikstil des 57-jährigen Juristen deutlich von dem seines Amtsvorgängers - was sich übrigens schon im Herbst 2009 von de Maizière sagen ließ, als er dem heutigen Finanzminister Wolfgang Schäuble (CDU) im Amt des Bundesinnenministers folgte. Auch damals fand er bereits das Lob der Opposition, als er eine moderatere Tonart anschlug als Schäuble. Obwohl gerade in seinem Bereich eine ganze Reihe von Themen wie beispielsweise die Vorratsdatenspeicherung zwischen den Koalitionspartnern Union und FDP umstritten war (und ist), wurde de Maizière auch als Innenminister seinem Ruf eines auf Ausgleich bedachten, diskreten und unaufgeregten Pragmatikers gerecht, dem der Hang zur Selbstdarstellung gänzlich fremd zu sein scheint. Schon Anfang 2006, nach nur wenigen Monate im Amt des Kanzleramtschefs, wurde er als ein Mann beschrieben, "der gern lautlos arbeitet und Konflikte leise löst".

Zugleich gilt der neue Verteidigungsminister nicht ohne Grund als ein politischer Allrounder, hat er doch in zahlreichen Funktionen Erfahrungen gesammelt. 1954 in Bonn geboren, trat de Maiziere noch als Schüler 1971 der CDU bei und war in den 1980er Jahren Mitarbeiter der Berliner Regierungschefs Richard von Weizsäcker und Eberhard Diepgen. Dann, nach Mauerfall und freier Volkskammerwahl, beriet er 1990 die letzte, von seinem Cousin Lothar de Maizière geführte DDR-Regierung und gehörte der Verhandlungsdelegation für den Einigungsvertrag an. Damals lernte er auch die heutige Kanzlerin Angela Merkel (CDU) kennen, die gerade als Vize-Regierungssprecherin ihre politische Karriere begann.

In den Folgejahren blieben die neuen Länder sein Wirkungsfeld - zunächst Mecklenburg-Vorpommern, wo de Maizière als Staatssekretär im Kultusministerium und später als Leiter der Staatskanzlei wirkte, ab 1999 dann Sachsen, wo er nacheinander die Staatskanzlei, das Finanz-, das Justiz- und das Innenressort leitete. Nach der Bundestagswahl 2005 machte die neue Kanzlerin Merkel ihren alten Weggefährten zum Chef ihrer Regierungszentrale und wies ihm damit eine Schlüsselrolle innerhalb der Großen Koalition zu.

Für den Job als Kanzleramtsminister musste der Vater dreier Kinder sein 2004 gewonnenes Abgeordnetenmandat im sächsischen Landtag niederlegen. Bei der Bundestagswahl 2009 stand der Wahldresdner dann auf Platz eins der sächsischen Landesliste seiner Partei, in das Parlament zog er indes als direkt gewählter Abgeordneter des Wahlkreises Meißen ein.

Mit dem Amt des Verteidigungsministers schließt sich für den Spross einer Hugenottenfamilie in gewisser Weise ein Kreis, ist ihm die Bundeswehr doch nicht nur vom eigenen Wehrdienst her vertraut: Sein 2006 gestorbener Vater Ulrich de Maizière, 1966 bis 1972 als Generalinspekteur der Bundeswehr deren ranghöchster Soldat, gilt als einer der Väter der Inneren Führung, des Bildes vom Staatsbürger in Uniform. Das mag ein gutes Zeichen sein, muss der Sohn doch nun mit der Umwandlung der Bundeswehr in eine Freiwilligenarmee die wohl größte Streitkräftereform der vergangenen Jahrzehnte stemmen.

Aus Politik und Zeitgeschichte

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