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ORTSTERMIN: BEI DER AUSSTELLUNG ZU 100 JAHRE FRAUENTAG
Jasper Thoms
»Es bleibt ein Kampf«

Gemächlich füllt sich der Platz um die silbernen Stehtische im Foyer des Paul-Löbe-Hauses. Etwa 120 Besucher formen einen Halbkreis um das Rednerpult. Piano-Musik erfüllt den Saal, Sängerin Susann Hülsmann erhebt ihre Stimme. Sie singt nicht irgendein Ständchen, sie übermittelt eine Botschaft. "Das bisschen Wäsche ist doch kein Problem", singt sie, "und auch das Bügeln schafft man ganz bequem." Es sind Verse aus Johanna von Koczians Lied "Das bisschen Haushalt... sagt mein Mann" aus dem Jahr 1977.

Mit diesem Schlager aus Hochzeit der westdeutschen Emanizpations-Ära begann die Eröffnung der Ausstellung zum 100-jährigen Jubiläum des Internationalen Frauentags, die die Geschichte der Gleichstellung der Frau präsentiert. Noch bis zum 14. April ist die kleine Zeitreise im Bundestag zu sehen. Am vergangenen Donnerstag eröffnete Bundestagsvizepräsidentin Petra Pau (Die Linke) die Ausstellung. In ihren Augen stellen die Dokumente eine "Reise durch die widersprüchliche Geschichte" der Emanzipation der Frau dar. Die Ausstellung sei ein Symbol zur Erinnerung an das hartnäckige Ringen der Frauen um ihre Rechte. Der Internationale Frauentag müsse aber auch daran erinnern, dass die Gleichstellung "noch lange nicht erreicht ist, weder in den Köpfen, noch im Leben".

Ihre Worte wurden zum allgemeinen Tenor der Veranstaltung: Viel wurde erreicht, aber nicht alles wurde geschafft. Die Redner betonten, dass der Frauentag in zwei Richtungen weise: in die Zukunft und in die Vergangenheit. Vergessen werden sollte nicht, was Frauen in der Geschichte mit Mut und Tat für ihre Rechte erreicht haben. Deutlich wurde aber auch: Noch immer existieren ein Ist- und Soll-Zustand bei der Gleichstellung.

Die Liberale Sibylle Laurischk, Vorsitzende des Ausschusses für Familie, Senioren, Frauen und Jugend betonte den fraktionsübergreifenden Willen im Bundestag zu weiterer Bemühung um Gleichstellung. Ihr besonderer Appell galt den Müttern und deren Beitrag zur Gleichberechtigung im Alltag. Zum Grundsatz "Männer und Frauen sind gleichberechtigt" gehöre mehr als ein Paragraph im Grundgesetz, zum Beispiel eine Debatte in Bundestag und Bundesregierung über aktuelle Themen wie die Frauenquote. Frauen, sagte Dagmar Ziegler von der SPD-Fraktion, dürften nicht darauf warten, dass etwas passiert. Zur Veränderung sei Kampfeswille nötig. "Nehmen sie sich das in ihrem Kopf und Herzen mit: Es bleibt ein Kampf."

Was früher der Ruf nach gleichem Wahlrecht war, ist heute die Forderung nach ausgeglichener Besetzung von Führungsgremien in Deutschland, betonte Eva-Maria Welskop-Deffaa, Abteilungsleiterin im Bundesministerium für Familie, Senioren, Frauen und Jugend. Der Internationale Frauentag bleibe auch ein "Mahntag". Optimistisch fügte sie hinzu: "Frauen haben die Chancen, durch Beharrlichkeit etwas zu erreichen." Besonderes Vorbild für die nötige Courage sei Helene Weber.

Die 1962 verstorbene Zentrums- und CDU-Politikerin beeinflusste im Parlamentarischen Rat 1948 maßgeblich die Ausgestaltung des Grundgesetzes und den darin enthaltenen Gleichstellungsparagraphen. Ihr und den anderen drei "Müttern des Grundgesetzes" wurde einer der vier Abschnitte in der Ausstellung gewidmet. Drei weitere Teile zeigen Eindrücke aus Leben und Arbeit der Frauen im 19. Jahrhundert, politische Plakate, die um die Stimmen der Frauen im 20. Jahrhundert werben, und eine Chronik in Plakaten zu 100 Jahre Internationaler Frauentag.

Angelehnt an das Lied "Bread and Roses", dessen Titel 1912 zur Parole der Arbeiterinnen während der Textilaufstände in den USA wurde, verteilten Männer schließlich rote Rosen an die anwesenden Damen. Im Anschluss machten Brotkörbe die Runde. Symbolisch stehen die Rosen für eine menschengerechte Arbeits- und Lebensumgebung, das Brot für gleichen Lohn und gerechte Arbeit. Nun muss der Symbolik weltweit gefolgt werden.

Aus Politik und Zeitgeschichte

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