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CONTRA: DEUTSCHE LIBYEN-POLITIKGastkommentar
Richard Herzinger
Politisches Versagen

Mit ihrer Enthaltung im UN-Sicherheitsrat haben Angela Merkel und Guido Westerwelle Deutschland nicht nur von seinen Freunden und Partnern isoliert, sondern auch mit Schande bedeckt. Während Franzosen, Briten und Amerikaner mit ihren Luftschlägen Gaddafis Mörderbanden buchstäblich in letzter Sekunde daran hinderten, die Reste der libyschen Freiheitsbewegung zu massakrieren, entzogen wir mit deutscher Gründlichkeit unsere Marine dem Kommando der Nato, um ja nicht auch nur in die Nähe kriegerischer Verwicklungen zu kommen.

Der Tiefpunkt der Blamage war das aber noch nicht. Um sein politisches Versagen zu bemänteln, berief sich Außenminister Westerwelle auf Kritik der Arabischen Liga an angeblichen zivilen Opfern der Luftangriffe - die diese bereits wieder zurückzog, weil sie Gaddafis Propaganda aufgesessen war.

Von allen rechthaberischen Einwürfen der Apologeten des Beiseitestehens ist der absurdeste, man dürfe eine Militäraktion erst beginnen, "wenn man ihr Ende kennt". Bis dahin wären alle Verteidiger Bengasis tot gewesen. Und wer nur etwas beginnt, wenn er sicher weiß, wie es ausgeht, muss sein Leben lang im Bett bleiben. Doch allen Unkenrufen deutscher Oberlehrer zum Trotz verläuft die Intervention des Westens erfolgreich. Schon nach wenigen Tagen war Gaddafis Offensive gestoppt, seine Luftwaffe stillgelegt, der Zerfall seines Regimes absehbar. Unsere Verbündeten haben die Ehre des Westens gerettet, gerade auch in der arabischen Welt. Gewiss, nach Gaddafis Sturz kommen neue Probleme auf Libyen zu, denen sich die verantwortungsbewussten Mächte dieser Welt stellen müssen. Deutschland zählt derzeit nicht dazu.

Aus Politik und Zeitgeschichte

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