Inhalt

VOR 15 JAHREN ...
Benjamin Stahl
Mr. Africa in Bonn

22. Mai 1996: Besuch Mandelas

"Ein Sonnenstrahl fällt durchs Glasdach, ein Gong erklingt, und dann ist er da: Gemessenen Schritts geht Nelson Mandela, geleitet von Bundestagspräsidentin Rita Süssmuth und Bundespräsident Roman Herzog, zu seinem Stuhl im Mittelpunkt des Plenarsaals." Beinahe episch beschrieb die Deutsche Presse-Agentur vor 15 Jahren den Auftritt des damaligen Präsidenten Südafrikas. Kein Wunder, denn bei Mandela handelte es sich nicht nur um ein Staatsoberhaupt, das da zu einer Rede vor dem Bundestag kam: Er verkörperte den Freiheitskämpfer, den Sieger über die Apartheid. Rita Süssmuth (CDU) begrüßte ihn - nur zwei Wochen, nachdem in Südafrika die erste demokratische Verfassung verabschiedet wurde - dann auch als "Symbol des Widerstands gegen Menschenverachtung und Unrecht". Mandela selbst dankte allen Deutschen, die die Überwindung der Rassentrennung in Südafrika unterstützt hatten und "es möglich gemacht haben, dass wir hier stehen können, als stolze Vertreter einer wahrhaft afrikanischen Regenbogen-Nation".

Kaum ein Wort verlor der Friedensnobelpreisträger dagegen darüber, dass einige Stimmen in Deutschland - auch aus der Politik - seine Inhaftierung befürworteten und lange hinter dem Regime standen. Auch dass einige dieser Politiker im Vorfeld Vorbehalte gegen die Rede Mandelas hatten oder dieser fern blieben, war während seines Deutschlandbesuchs nur am Rande ein Thema. Stattdessen tanzte der heute 92-Jährige: Im Gästehaus Petersberg der Bundesregierung überraschte ihn ein Chor mit Freiheitsliedern in seiner Heimatsprache. Der Präsident sang und tanzte mit.

Aus Politik und Zeitgeschichte

© 2016 Deutscher Bundestag