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Dagmar Wittek
Jubel in Juba

SÜDSUDAN II Unabhängig - aber auf Hilfe angewiesen

Für rund acht Millionen Südsudanesen wird ein Traum Wirklichkeit. Am vergangenen Samstag erklärte der Südsudan seine Unabhängigkeit vom Sudan. Der durch die Spaltung des größten afrikanischen Flächenlandes entstehende 54. Staat des Kontinents muss von Grund auf neu aufgebaut werden.

Zwei Jahrzehnte bekriegten sich der islamisch-arabisch geprägte Nordsudan und der vorwiegend von Christen bewohnte Süden. Rund 1,5 Millionen Menschen starben, vier Millionen wurden zu Flüchtlingen. Heute ist der Südsudan, der etwa doppelt so groß ist wie Deutschland, ein fruchtbares, aber vermintes Gebiet ohne funktionierende Infrastruktur. Es fehlen Polizisten, Ingenieure, Lehrer. Seit 2005 besteht mit der Southern Sudan Legislative Assembly in der provisorischen Hauptstadt Juba ein Gesetzgebungsorgan, in der die frühere Rebellenbewegung Sudan People's Liberation Movement (SPLM) die überwältigende Mehrheit der 170 Abgeordnetenmandate stellt. Der SPLM gehört auch der Präsident Salva Kiir Mayardit an, der 2010 für eine fünfjährige Amtszeit gewählt wurde.

Ein Heer internationaler Helfer von Nichtregierungsorganisationen und Vereinten Nationen versucht seit dem Friedensabkommen von 2005 zusammen mit der südsudanesischen Regierung staatliche Institutionen aus dem Boden zu stampfen. Aus Deutschland sind derzeit 32 Bundeswehrsoldaten überwiegend als Militärbeobachter im Land und zur Ausbildung von Sicherheitskräften mehrere Polizisten. Auch die Deutsche Gesellschaft für internationale Zusammenarbeit (GIZ) ist mit Maßnahmen zur Stärkung der Administrationen sowie der Trinkwassersicherung vertreten.

"Aus eigener Kraft wird es der Südsudan jetzt nicht schaffen", urteilt der deutsche stellvertretende oberste Polizeikommissar der UNPOL, Klaus-Dieter Tietz. Derzeit, so Tietz, sei eine Stabilisierung der Sicherheitslage am Wichtigsten. Zu den vielen ungelösten Problemen gehören Tribalismus und nicht demarkierte Grenzverläufe zwischen Nord- und Südsudan. Ungeklärt ist zudem, wie sich der Südsudan finanzieren wird. Es gibt keine Regelung wie die Gewinne aus den maßgeblich im Süden liegenden Ölquellen zwischen Nord- und Südsudan aufgeteilt werden. Die Öl-Pipeline verläuft durch den Nordsudan, und dessen Präsident al Baschir hat bereits angedroht, die Pipeline zu schließen, sollte der Norden nicht ausreichend am Ölgeschäft beteiligt werden.

Aus Politik und Zeitgeschichte

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