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DEUTSCHE PANZER NACH SAUDI-ARABIENGastkommentar
Richard Herzinger
Hilfen gegen Teheran

Gewiss, einen amoralischen Geruch hat es schon, wenn die Bundesregierung Saudi-Arabien ausgerechnet jetzt Panzer liefern will. Nachdem die Saudis gerade erst den Aufstand in Bahrein niedergeschlagen haben, kann von einem solchen Geschäft nur das ungute Signal ausgehen, Deutschland stütze mitten im "Arabischen Frühling" die alten Mächte der Despotie.

Doch realpolitisch gesehen steht der Deal nicht in unmittelbarem Zusammenhang mit der Aufstandsbekämpfung. Hinter der Angst der sunnitischen arabischen Eliten vor der Erhebung der von ihnen unterjochten Schiiten - und um eine solche handelte es sich in Bahrein - steht der immer brisanter werdende Konflikt der arabischen Führungsmächte mit der Islamischen Republik Iran um die Vorherrschaft in der Region. Damit sie den Hegemoniebestrebungen des womöglich bald nuklear bewaffneten Iran etwas entgegensetzen können, haben die USA unter Obama die Saudis erst vor kurzem massiv mit modernsten Waffensystemen ausstaffiert. Weil Israel weiß, dass die Herrscher in Riad damit nicht den jüdischen Staat im Visier haben, sondern den gemeinsamen Hauptfeind eindämmen wollen, hat es gegen deren Aufrüstung nichts einzuwenden.

Die Kritiker des Panzerdeals stünden jedenfalls glaubwürdiger da, würden sie sich in ähnlicher Intensität über das Massaker empören, das Syriens Diktator Assad mit Hilfe iranischer Mord- und Folterkommandos am eigenen Volk verübt - und über die Passivität, mit der die westliche Welt das hinnimmt. Stürzte Assad, brächte dies auch das iranische Regime ins Wanken. Könnte aber Teheran erfolgreich zurückgedrängt werden, wäre der Westen auf den üblen Verbündeten Saudi-Arabien nicht mehr so dringend angewiesen.

Aus Politik und Zeitgeschichte

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