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Margaret Heckel
Weitgehend nivelliert

CONTRA

Nehmen wir Felix, Anna und Tim. Alle drei sind 17 Jahre alt und leben in unterschiedlichen Ecken Deutschlands. Sie haben von der früheren Teilung des Landes nur im Geschichtsunterricht gehört. Als sie mich in den vergangenen Monaten in Berlin besucht haben, bin ich mit ihnen zum Brandenburger Tor gegangen. Sie waren höflich interessiert, aber das war es dann auch.

Ostdeutschland, Westdeutschland - für die drei Jugendlichen sind das vor allem geographische, keine politischen Begriffe mehr. In dieser Generation sind die Unterschiede zwischen Ost und West weitgehend eingeebnet. Ausbildungsplätze gibt es inzwischen in beiden Regionen ausreichend. Wo es sich gut oder schlecht studieren lässt, hat vor allem mit der jeweiligen Universität zu tun - nicht aber, ob sie in Ost- oder Westdeutschland steht.

Doch auch in den älteren Generationen ist die Mauer in den Köpfen inzwischen weitestgehend eingerissen. Natürlich gibt es immer noch Gruppen, die sich als Verlierer der Einheit fühlen und dementsprechend die innere Mauer nie überwunden haben. Insgesamt aber wächst Deutschland zusammen, wie 68 Prozent der West- und 51 Prozent der Ostdeutschen 2009 in einer repräsentativen Allensbach-Umfrage zu Protokoll gaben.

Seitdem dürfte die Zahl weiter gestiegen sein. Denn im kollektiven nationalen Gedächtnis finden sich nun immer mehr Dinge, die die Deutschen gemeinsam durchlebt haben statt wie bis 1989 getrennt. In den Schlagzeilen der letzten Jahre ging es kaum mehr um West- und Ostdeutschland, sondern um die Eurokrise, die Fußballweltmeisterschaft oder die Energiewende. Diesen Herausforderungen stellen wir uns nicht als Ost- oder Westler, sondern als Deutsche.

Aus Politik und Zeitgeschichte

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