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SERIE ÜBER ABGEORDNETENBÜROS: ZU BESUCH BEI ILSE AIGNER
Tatjana Heid
»Immer ein Stück Heimat parat«

"Wenn die Schleife der Schürze rechts gebunden ist, ist das Mädchen verheiratet. Links gebunden bedeutet, sie ist unverheiratet." Ilse Aigner steht vor einem Foto in ihrem Arbeitszimmer. Es zeigt drei junge Frauen, lachend, in der traditionellen Tracht von Westerham, Ortsteil der Gemeinde Feldkirchen-Westerham in Oberbayern. In dem Mieder der Dirndl stecken rosafarbene Blüten. Aigner erklärt, auch für den Nicht-Bayer verständlich: "Den Blumenschmuck nennt man Balkon. Er ist Teil der Westerhamer Tracht."

Das Büro der Landwirtschaftsministerin und CSU-Abgeordneten ist eine Fundgrube bayerischer Landeskunde und gibt gleichzeitig Auskunft über Aigner selbst. Die drei Frauen auf dem Foto sind Aigners Nichten, sie selbst ist in Westerham-Feldkirchen geboren und aufgewachsen. Von dort aus ist sie in die "große weite Welt gezogen", wie sie sagt. Da sei es wichtig zu wissen, wo die eigenen Wurzeln sind. "Deswegen habe ich immer ein Stück Heimat parat."

Es ist mehr als nur ein Stück. In einer Ecke steht die Flagge Bayerns mit den weiß-blauen Rauten, auf den Regalen drängen sich Fotos der Familie, an der Wand hängen - angeordnet wie eine Borte - Wappen aus dem Wahlkreis. Es sind Gemeindewappen, Wappen von Polizeidirektionen, Vereinen und Schulen. Auch eine Plakette des Schützenvereins Wall ist zu sehen. Rund fünf Jahre lang hat Aigner hier in ihrer Eigenschaft als Schirmherrin des Veteranen- und Reservistenschießens den traditionellen Wettbewerb mit dem ersten Schuss eröffnet - "mit mäßigem Erfolg", gibt sie zu und lacht.

Bei Ereignissen wie dem Reservistenschießen bekommt Aigner regelmäßig Wahlkreis-Andenken. Auch die Fotos in ihrem Büro erzählen vom Leben im Wahlkreis: Inmitten der Familienbilder steht eine Fotografie der Feierlichkeiten zum 20-jährigen Bestehen der Blaskapelle Ascholding. Sie zeigt eine strahlende Ilse Aigner im Dirndl und mit Hut auf dem Kopf, die vor den Blasmusikern steht und den Takt angibt. Wahlkreisleben in seiner munteren Form.

Ilse Aigner sitzt seit 1998 als direktgewählte Abgeordnete für Starnberg im Deutschen Bundestag. Ihr Wahlkreis umfasst die Kreise Miesbach, Starnberg und Bad Tölz-Wolfratshausen. Eines der Wappen in ihrem Büro ist das des Landkreises Miesbach. Es zeigt einen roten Falken mit ausgebreiteten Schwingen, der über zwei gekreuzten Stäben schwebt. Darunter finden sich mit den Stängeln gekreuzte Seeblätter über blauen Wellen. Der Falke und die Stäbe verweisen auf das Herrschaftsgeschlecht der Waldecker - der Markt Miesbach war vom 12. Jahrhundert bis zu Beginn des 18. Jahrhunderts Teil der eigenständigen Grafschaft Waldeck -, die Seeblätter sind das älteste bekannte Stiftswappen des Tegernsees.

Hinweise auf den Tegernsee finden sich häufig im Büro der Abgeordneten Aigner: auf einem Wappen der Gebirgsjägerkameradschaft Tegernseer Tal, auf dem Wappen von Kreuth, auf einer Fotografie gegenüber dem Schreibtisch. Sitzt Ilse Aigner am Computer, muss sie nur den Kopf heben und schaut auf eine Luftaufnahme des Sees. Idylle, Frieden und Harmonie - und das mitten im hektischen Berliner Regierungsviertel.

Aus Politik und Zeitgeschichte

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