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Verena Renneberg
Enquete startet Umfrage

KOMMISSION

Die Enquete-Kommission "Wachstum, Wohlstand, Lebensqualität - Wege zu nachhaltigem Wirtschaften und gesellschaftlichem Fortschritt in der Sozialen Marktwirtschaft" des Bundestages hat sich ein ehrgeiziges Ziel gesteckt: Bis zum Ende der Wahlperiode will sie einen ganzheitlichen Wohlstands- und Fortschrittsindikator entwickeln. Zwar existiert bereits eine Vielzahl von Indikatoren, die zur Bemessung herangezogen werden. Aber um herauszufinden, welche Rolle sie in den Entscheidungsprozessen der Volksvertretungen und öffentlichen Verwaltungen spielen, hat die Enquete-Kommission das Institut für Sozialforschung und Gesellschaftspolitik" (ISG) jetzt mit einer Studie beauftragt.

In einer bisher nie dagewesenen Initiative sollen Mandatsträger auf EU-, Bundes-, Landes- und kommunaler Ebene sowie leitende Mitarbeiter von Bundes- und Landesministerien befragt werden, beispielsweise nach der Bedeutung des ökologischen Fußabdrucks - ein möglicher Faktor für Lebensqualität, der erst in den vergangenen Jahren in das Bewusstsein der Öffentlichkeit getreten ist. Der Fragebogen wurde an 3.400 Empfänger zur Weiterleitung verschickt. So kann er bis zu 30.000 Personen erreichen. Die Ergebnisse werden im Herbst erwartet.

Bisher gilt das Bruttoinlandsprodukt (BIP), also der Gesamtwert aller in einer Volkswirtschaft pro Jahr produzierten Waren und Dienstleistungen, automatisch als Hauptindikator für Wohlstand. Die Kommission stellt die Formel "Wachstum gleich Wohlstand" in Frage. Wohlstand, argumentiert sie, ist längst nicht mehr mit Wachstum gleichzusetzen. Dazu ein Beispiel: Steigende Kriminalität erfordert mehr Polizisten und Gefängniswärter. Deren Gehälter erhöhen das BIP. Die Kriminalität steigert aber nicht die Lebensqualität. Es müssen also weitere Aspekte bei der Bemessung berücksichtigt werden. z

Aus Politik und Zeitgeschichte

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