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Claudia Heine
Hans Apel gestorben

NACHRUF

Eigentlich wollte Hans Apel (SPD) nie Politiker werden, legte dann aber doch eine rasante politische Karriere zurück: Erst 42-jährig wurde der Staatssekretär im Auswärtigen Amt im Jahr 1974 Finanzminister unter Bundeskanzler Helmut Schmidt (SPD). Von 1978 bis 1982 führte er das Verteidigungsministerium. Der "überzeugte Hamburger" galt zeitweilig als "Kronprinz" Helmut Schmidts. Am vergangenen Dienstag ist Apel im Alter von 79 Jahren in seiner Heimatstadt gestorbenen.

Der protestantische Christ gehörte zu den profiliertesten Köpfen der Bonner Republik. Als Finanzminister kämpfte der 1932 in Hamburg geborene, promovierte Volkswirt vor allem gegen die Verschuldung des Bundes. Als Verteidigungsminister geriet er in die innerparteiliche Schusslinie, als er den Nachrüstungsbeschluss der Nato Anfang der 1980er-Jahre verteidigte. Mit dem Ende der sozialliberalen Koalition im Jahr 1982 endete auch seine Minister-Amtszeit. Innerparteilich gehörte Apel, seit 1970 Mitglied des SPD-Bundesvorstandes, stets zum konservativen Flügel. Nach der Ära Schmidt wuchs ihm die Rolle eines Sprechers der rechten "Kanalarbeiter" in der Bundestagsfraktion zu. 1988 verlor Apel seinen Posten im SPD-Vorstand und verzichtete auf sämtliche Parteiämter. Danach kümmerte sich Apel "ein bisschen um die deutsche Einheit", wie er es nannte: 1990 zunächst als Aufsichtsratsvorsitzender bei ostdeutschen Braunkohlebergwerken, dann als Gastdozent an der Universität Rostock.

"Ich glaub, mich tritt ein Pferd" ist wohl einer seiner berühmtesten Sprüche, durch deren Flapsigkeit er sich immer wieder vom üblichen Politikerprofil absetzte. Geäußert übrigens 1975, als der damalige Finanzminister Apel von einer Reise aus den USA zurückkehrte und vor laufenden Kameras mit einem neuen Haushaltsloch konfrontiert wurde. Über seine flinke Zunge, derentwegen er nicht selten aneckte, sagte Apel selbst einmal 1978 vor dem Bundestagsplenum: "Wenn Sie sich über mein Temperament beklagen wollen, stimme ich Ihnen von vornherein zu, obwohl in den letzten 10 bis 15 Jahren auch einiges besser geworden ist." Anhaltende Heiterkeit notiert dazu das Bundestagsprotokoll.

Zum Auftakt ihrer Sitzung am vergangenen Donnerstag haben die Abgeordneten des Bundestags ihrem verstorbenen Kollegen gedacht. Bundestagspräsident Norbert Lammert (CDU) würdigte Apel als "herausragenden Politiker" und "leidenschaftlichen Parlamentarier". Apel habe "25 Jahre als Mitglied des Bundestages wie auch als Bundesfinanzminister und als Bundesverteidigungsminister maßgeblich an wichtigen Weichenstellungen in der Geschichte der Bundesrepublik mitgewirkt", sagte er.

Aus Politik und Zeitgeschichte

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