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Monika Pilath
Per Internet ins Bauernbett

TOURISMUS Ausschuss befasst sich mit Chancen und Problemen von Urlaub auf dem Land

Viele Gäste erwarteten Bauernhofidylle pur, da ist sich Hans Embacher sicher. "Die Bäuerin jeden Tag im Dirndl, der Bauer mit Hut und auf der Weide Ziegen und Schafe", konkretisierte der Geschäftsführer des Bundesverbandes "Urlaub am Bauernhof in Österreich" seine These am vergangenen Mittwoch im Tourismusausschuss. In einer öffentlichen Anhörung befasste sich das Gremium mit Chancen und Problemen des ländlichen Tourismus. Der Landurlaub brummt in Österreich: Laut Embacher haben die Mitgliedsbetriebe von 1991 bis 2010 ein Umsatzplus in Höhe von 147 Prozent hingelegt. Von solchen Zuwächsen können die deutschen Anbieter offenbar nur träumen. Hierzulande blieben die ländlichen Regionen in den vergangenen Jahren zum Teil deutlich hinter dem Wachstum des boomenden Deutschlandtourismus zurück, sagte die Hauptgeschäftsführerin des Deutschen Tourismusverbandes (DTV), Claudia Gilles, in der Anhörung.

Fachkräftemangel

Als Probleme nannte sie unter anderem Fachkräftemangel und Schwierigkeiten, qualitativ hochwertigen Tourismus in der Fläche sicherzustellen. Aufgrund der unterschiedlichen Voraussetzungen der einzelnen Reiseziele sei es unmöglich, ein einheitliches Tourismuskonzept für den ländlichen Raum zu entwickeln, betonte Gilles. Der DTV spreche sich daher dafür aus, die besten Lösungsansätze für die Praxis zu fördern.

Eine Strategie, mit der auch die Österreicher gute Erfahrungen gemacht haben. In einem weiteren Punkt gilt das Nachbarland als vorbildlich. Seit 1998 ist ein Bauernhofurlaub auf einer gemeinsamen Internetplattform buchbar, sagte Embacher. Diese sei inzwischen zum wichtigsten Marketinginstrument für die Mitgliedsbetriebe geworden.

Die deutsche Bundesarbeitsgemeinschaft für Urlaub auf dem Bauernhof zieht jetzt nach. Die Vorsitzende der Organisation, Ute Mushardt, verwies auf die in diesem Jahr gestartete Landtourismus-Datenbank www.landsichten.de. Über diese Informations- und Reservierungsplattform vermarkten sich Mushardt zufolge rund 2.500 Gastgeber mit rund 10.000 ländlichen Ferienobjekten. Die bundesweite Vermarktung führe zu erheblichen Synergien, ohne gleichzeitig die regionale Identität der Gastgeber zu schwächen, sagte Mushardt. Es fehle aber an Geld, um das Portal "zu einer wirksamen Marktdurchdringung" und zu einem tatsächlichen Plus bei den Übernachtungszahlen zu verhelfen. Mushardt regte an, dass sich die Deutsche Zentrale für Tourismus dieses Themas annehmen solle.

Thomas Bausch, Professor an der Hochschule für angewandte Wissenschaften der Fachhochschule München, Fachbereich Tourismus, empfahl, auf thematische und regionalspezifische Angebotsfelder zu setzen: etwa den Familienurlaub auf dem Bauernhof oder regionale Küche und Kulinarik. Dabei sei etwa an Kochkurse mit regionalen Grundprodukten und regionalen Rezepten zu denken.

Aus Politik und Zeitgeschichte

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