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Anette Rollmann
Hebammen monieren geringes Einkommen

ANHÖRUNG Grüne fordern moderne Grundlage der Leistungen für Schwangerschaft und Geburt

Die Grünen wollen die rechtliche Grundlage der Leistungen für Schwangerschaft und Geburt entstauben. Dazu, das fordet die Fraktion in einem Antrag (17/5098), soll sie aus der Reichsversicherungsordnung in das Fünfte Buch der Sozialgesetzgebung überführt und zeitgemäß ausgestaltet werden. Für dieses Anliegen ernteten die Grünen in einer öffentlichen Anhörung des Gesundheitsausschusses in der vergangenen Woche weitgehend Zustimmung. Der Experte vom Spitzenverband der gesetzlichen Krankenversicherung (GKV), Gerd Kukla, sagte: "Es geht vor allem um eine rechtssystematische Regelung."

Auch die freiberuflichen Hebammen selbst wünschen sich eine rechtliche Modernisierung. Darüber hinaus verlangen sie aber vor allem eine Verbesserung ihrer finanziellen Situation. Ihr Grundproblem: Hohe Beiträge für die Berufshaftpflicht verschlängen einen Großteil ihrer zu geringen Honorare. Elke Maßing vom GKV-Spitzenverband legte dar, dass eine Hebamme für den Besuch am Wochenbett lediglich 27 Euro brutto bekomme. "Oft dauert so ein Besuch eine Stunde." Monika Selow vom Deutschen Hebammenverband beklagte, dass sich die Einkommen nicht der Entwicklung des Berufs angepasst hätten. "Eine Hebamme, die mit einem Koffer durch die Gegend zieht, ist finanziell besser gestellt als eine, die eine Praxis unterhält".

Ein weiteres Thema der Anhörung war die Sterblichkeitsrate bei Neugeborenen. Die Kassenärztliche Vereinigung hatte argumentiert, dass die Mortalität bei außerklinischen Geburten bei 0,23 Prozent liege, bei Geburten in Krankenhäusern dagegen lediglich bei 0,12 Prozent. Nina Knape von der Deutschen Gesellschaft für Hebammenwissenschaft zweifelte diese Statistik an und wurde dabei vom GKV-Spitzenverband unterstützt. Elke Maßing berichtete, dass im Dezember dazu eine Studie erscheinen werde. Das Ergebnis zeige, dass die Sterblichkeit von Neugeborenen, die außerhalb von Krankenhäusern geboren werden, nicht höher sei.

Aus Politik und Zeitgeschichte

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