Inhalt

Jörg Biallas
Allen zum Wohl

VON JÖRG BIALLAS

Die deutsche Wirtschaft wächst, verhalten zwar, aber immerhin. Trotz Schuldenkrise, trotz Euro-Malaise, trotz Rezessionen in benachbarten Ländern. Jedenfalls prognostiziert das die Bundesregierung und verspricht positive Effekte für den Arbeitsmarkt, die Konjunktur und den Staatshaushalt.

Bedingung ist allerdings, dass die Schuldenkrise zu lösen ist und die Finanzmärkte reguliert werden. Und wenn nicht? Dieses Szenario spart der Jahreswirtschaftsbericht vorsichtshalber aus. Man ahnt: Bleibt die Krise, könnte die Wachstumsrate gen Null tendieren.

Das wäre eine Herausforderung für die Politik. Denn eine stabile Volkswirtschaft ist ein wichtiger Baustein für das Fundament jedes demokratischen Staates.

So hätten sich ohne das "Wirtschaftswunder" in der Nachkriegszeit die Strukturen der Bundesrepublik Deutschland nicht effektiv festigen lassen.

Ökonomische Aspekte haben dann später wesentlich dazu beigetragen, dass die Menschen in der DDR den Mut aufgebracht haben, sich gegen die SED-Diktatur aufzulehnen und die Mauer zu Fall zu bringen.

Und heutzutage sind wirtschaftliche Perspektiven für junge Menschen in vielen Staaten der Welt ein Schlüssel, um das Joch der Unterdrückung abzulegen. Nur so lässt sich eine Zukunft in Freiheit auch unterhalb der herrschenden Klasse aufbauen: in Nordafrika, in Arabien, aber ebenso in China und den Nationen des ehemaligen Ostblocks.

Gewiss, Geld regiert die Welt. Aber Geld ist längst nicht mehr der einzige Aspekt, der den Wohlfühl-Faktor für das Volk ausmacht. Soziale, kulturelle und ökologische Gegebenheiten beeinflussen die Lebensqualität ganz unmittelbar.

In welchem Ausmaß das geschieht und welche Folgen sich daraus für das Wachstum einer Volkswirtschaft jenseits rein quantitativer ökonomischer Daten ableiten lassen, untersucht derzeit eine Enquete-Kommission des Deutschen Bundestages.

Das ist keine leichte Aufgabe. Aber eine wichtige. Denn bei aller Bedeutung wirtschaftlicher Stabilität wird eine ganzheitliche Betrachtung des Begriffes "Wachstum" dazu beitragen, eine neue, lebensnähere Perspektive zu eröffnen. Zum Wohle aller.

Aus Politik und Zeitgeschichte

© 2020 Deutscher Bundestag