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Alexander Weinlein
Kurz notiert

Begleitet von verbalen Drohungen und Protesten der türkischen Regierung hat Frankreich die Leugnung des "Völkermordes" an den Armeniern während des Ersten Weltkriegs im Osmanischen Reich unter Strafe gestellt. Der Senat in Paris verbschiedete am vergangenen Montag einen entsprechenden Gesetzentwurf. Frankreich hatte bereits im Jahr 2001 die Vertreibung und die Massaker an den Armeniern zwischen 1915 und 1917 offiziell als Völkermord anerkannt.

Bei den Vertreibungen und Massakern sollen bis zu 1,5 Millionen Armenier getötet worden beziehungsweise gestorben sein. Die Türkei bestreitet den vorsätzlichen Völkermord bis heute und gibt die Opferzahl mit maximal 500.000 an.

Auch der Bundestag hatte sich 2005 den Unmut Ankaras zugezogen. In einem einstimmig verabschiedeten Antrag hatte er des Genozids an den Armeniern gedacht und dabei ausdrücklich die "unrühmliche Rolle" des Deutschen Reichs bedauert. Die Deutschen hätten damals nicht einmal versucht, ihren türkischen Verbündeten von den Massakern abzuhalten.

Diese "unrühmliche Rolle" hatte nach dem Ersten Weltkrieg erstmals Armin T. Wegner angeprangert. Er hatte während des Krieges als Sanitäter die Vertreibung der Armenier als Augenzeuge beobachtet und auch fotografiert. Ab 1919 hielt er in Deutschland und Österreich mehrfach einen öffentlichen Lichtbildvortrag über den Völkermord. "So ungeheuer war das Verbrechen, das hier begangen wurde, dass sein Echo selbst während des Weltkrieges erschütternd über die Grenzen aller Länder drang; nur in das Herz Deutschlands und Österreichs nicht, die man auf das Schändlichste darüber belogen hatte," kritisierte er bei einem Vortrag im Jahr 1924 in Wien. Bei deutsch-nationalen Zuhörern rief Wegner mit seiner These von der Mitschuld des Deutschen Reichs heftige Gegenreaktionen hervor.

Den Text und die Fotos von Wegners Lichtbildvortrag hat der Germanist Andreas Meyer nun in einer hervorragenden historisch-kritischen Edition publiziert: Ein erschreckendes aber wichtiges Zeitdokument.

Armin T. Wegner:

Die Austreibung des armenischen Volkes in die Wüste.

Wallstein Verlag, Göttingen 2011; 216 S., 24 €

Aus Politik und Zeitgeschichte

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