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Monika Pilath
Sonnenbaden für den Wirtschaftsaufschwung

GRIECHENLAND Die Reisebranche ist ein Strohhalm, an den sich Athens Hoffnung auf bessere Zeiten knüpft. Auf Initiative des Tourismusausschusses sitzen nun die richtigen Leute zusammen

Griechenland setzt zur Überwindung seiner Krise verstärkt auf deutsche Touristen. Bei einem griechisch-deutschen Tourismusforum in der vergangenen Woche im Bundestag warb die griechische Delegation für Investionen und den Ausbau der Zusammenarbeit auf kommunaler Ebene. Die Teilnehmer des Forums verständigten sich auf die Einsetzung einer Arbeitsgruppe mit Entscheidern der Tourismusbranche beider Staaten, die konkrete Möglichkeiten ausloten soll. Die Bundesregierung will sich dabei allerdings zurückhalten. Schließlich schicke "nicht die Politik Reisende nach Griechenland, sondern die Reiseveranstalter", sagte der Parlamentarische Staatssekretär und Tourismusbeauftragte der Bundesregierung, Ernst Burgbacher (FDP).

Der Tourismusausschuss des Bundestages unter Leitung seines Vorsitzenden Klaus Brähmig (CDU) hatte die Initiative zu dem Forum ergriffen. Aus Sicht der griechischen Delegation war dies bitter nötig. In diesem Jahr gebe es einen "Stillstand im Tourismus", erläuterte der griechische Staatssekretär für Kultur und Tourismus, George Nikitiades. Die Buchungszahlen seien im Vergleich zum Vorjahr rückläufig. Der griechische Parlamentspräsident Philippos Petsalnikos, der zusammen mit seinem deutschen Amtskollegen Norbert Lammert (CDU) die Schirmherrschaft der Veranstaltung übernommen hatte, machte als einen Grund dafür das negative Bild Griechenlands in deutschen Medien aus. So würden etwa die Reformanstrengungen als ungenügend gekennzeichnet. Das Bild sei falsch. "Das griechische Volk bringt große Opfer", unterstrich Petsalnikos. Er betonte, der Tourismus sei eine der entscheidenend Branchen seines Landes. Er hoffe, dass die anhaltende Krise die Urlauber nicht abschrecke.

Lammert betonte, es sei "wichtig, sichtbare Signale der Zusammenarbeit beider Länder zu setzen". Deshalb sei das griechisch-deutsche Tourismusforum zu begrüßen.

Brähmig sagte, gerade da der Tourismus in Griechenland ein wichtiges ökonomisches Standbein sei, gelte es, "über innovative Zukunftsstrategien des Tourismus in Griechenland" nachzudenken. Dies setze eine "selbstkritische und wertfreie Bestandsaufnahme der Stärken und Schwächen des heimischen Marktes" voraus. "Wir dürfen keine falschen Hoffnungen wecken, neue Ängste schüren oder in blinden Aktionismus verfallen", sagte der Ausschussvorsitzende. Die Zahlen für den Griechenland-Tourismus 2011 machten deutlich, "dass dieser anders als andere Schlüsselbereiche der hellenischen Ökonomie nicht komplett geschwächt auf dem Boden liegt". Allerdings lasse sich das Wachstum "eher auf die Schwächen anderer Konkurrenten im Mittelmeerraum als auf die Überzeugungskraft des eigenen Profils zurückführen". So gebe es "nach wie vor große Defizite auf dem Gebiet der Infrastruktur und Investitionen, des Preis-Leistungs-Verhältnisses oder der strategischen Positionierung in zukunftsträchtigen Angebotssegmenten".

Daran arbeitet Hellas laut Delegationsteilnehmern auf Hochtouren. Angebote wie neue Golfresorts und rabattierte Schülerreisen sollen Griechenland als ganzjähriges Reiseziel attraktiver machen.

»Know-How-Partnerschaften«

Schon heute stellten die Deutschen mit 13 Prozent "die größte Reisegruppe in Griechenland", betonte Burgbacher. Der Parlamentarische Staatssekretär im Arbeitsministerium und Beauftragte für die Deutsch-Griechische Versammlung, Hans-Joachim Fuchtel (CDU), sagte, die kommunalen Spitzenverbände Deutschlands stünden bereit, Kooperationen auszubauen. Das Ziel seien "Know-How-Partnerschaften". Er sieht deutliche Steigerungsmöglichkeiten: Während Deutschland mit Frankreich 2.000 solcher Partnerschaften pflege, seien es mit Griechenland nur 30.

Aus Politik und Zeitgeschichte

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