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Sandra Ketterer
Widerständige Künstlerin

AUSSTELLUNG Bundestag zeigt Werke von Annemirl Bauer

Das Triptychon ist bunt und voller Menschen. Auf der linken Seite drängen sie sich, die Farben sind dunkel, die Atmosphäre gespannt. Auf der rechten Seite haben sie mehr Platz, Freiheit, die Farben sind heller, die Atmosphäre entspannt. Annemirl Bauers "Berliner Triptychon", das Herzstück der Werkschau "In meinem eigenen Lande" im Mauer-Mahnmal des Bundestages, zeigt das geteilte Berlin. Auf der einen Seite der Osten, auf der anderen der Westen. "Der Himmel über Berlin ist frei", soll das Gemälde aussagen - eine provokante These für ein Kunstwerk in der DDR.

Annemirl Bauer, Malerin und Zeichnerin aus Ost-Berlin, eckte bewusst an in der DDR. Mit der Ausstellung solle die Künstlerin nicht nur für ihre Werke, sondern auch für die Bereitschaft, brisante Themen darzustellen, geehrt werden, sagte Bundestagsvizepräsident Wolfgang Thierse (SPD) bei der Eröffnung in der vergangenen Woche. Bauer sei, nachdem sie in den 1980er Jahren eine Mitarbeit bei der Staatssicherheit der DDR abgelehnt habe, zur Gegnerin des Regimes und zur Verfolgten geworden. Kurz vor dem Mauerfall, im August 1989, starb Bauer an Krebs. "In den zahlreichen Werken zur DDR-Kunstgeschichte finden sich kaum Hinweise auf Annemirl Bauer. Das ist traurig und wird ihr nicht gerecht", bedauerte Thierse.

Neben einigen Gemälden werden Zeichnungen, Collagen und Schriftstücke der Künstlerin ausgestellt. Darunter eine lange Liste mit Dingen, die die Familie kostenlos von Nachbarn übernehmen würde - von Filzpantoffeln über Töpfe für Sauerkraut und Gurken bis zu Schränken. Als Reaktion auf ihren Protest sei Bauer aus dem Künstlerverband ausgeschlossen worden, "was einem Berufsverbot gleichkam", sagte Thierse. Die Künstlerin habe nur sehr wenig Geld verdient.

Die Ausstellung ist bis zum 30. Juni dienstags bis sonntags von 11 bis 17 Uhr geöffnet. Der Zugang befindet sich an der Spree-Uferpromenade des Marie-Elisabeth-Lüders-Hauses.

Aus Politik und Zeitgeschichte

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