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Monika Pilath
Klar ist das anstrengend

PFLEGE Zwei Abgeordnete berichten über ihre Erfahrungen

Es sind Wochen wie diese, in denen Energiepolitik für die zuständige Expertin der Linksfraktion, Dorothée Menzner, eine ganz persönliche Bedeutung bekommt. Der Vater (92) mit Oberschenkelhalsbruch in der Klinik, die ebenfalls pflegebedürftige Mutter (85) in Sorge um ihren Mann mehrmals täglich am Telefon, Wahlkampf und volle Sitzungswoche im Bundestag. Menzner atmet tief durch. "Klar ist das anstrengend", sagt sie. Rund 20 Stunden pro Woche wende sie im Schnitt für die Pflege ihrer Eltern auf, "auch in Sitzungswochen". Vor einem Jahr habe sie die Eltern in ihren Heimatort Neustadt am Rübenberge bei Hannover geholt. "Dort haben sie eine eigene Wohnung", sagt Menzner. Sie wolle, dass die beiden so lange wie möglich weitgehend selbstbestimmt leben können.

Ein ambulanter Pflegedienst kümmere sich unter der Woche um Grundpflege und Haushalt, sagt die Abgeordnete. Es mache sie fassungslos, dass die Pflegekräfte "häufig mehr Zeit mit Papierkram zubringen müssen als sich mit den Pflegebedürftigen zu beschäftigen". Am Wochenende kümmert sich Menzner zusätzlich persönlich um ihre Eltern: Einkaufen, Wäsche waschen, "die Dinge erledigen, die die Haushaltshilfe nicht macht". Arztbesuche müssen organisiert werden und nicht zuletzt wollen die beiden Alten Zeit mit ihrer Tochter verbringen. Als Bundestagsabgeordnete sei sie "natürlich in einer privilegierten Situation", könne "manches leichter wuppen als etwa eine ebenfalls Vollzeit arbeitende Supermarktkassiererin". Aus ihrer Sicht wäre es wichtig, dass die Pflegedienste kurzfristig auf Verschlechterungen bei den Pflegebedürftigen eingehen können.

Auch über ihre eigene Pflege denkt Menzner "nach den Erfahrungen der letzten Jahre" nach. "Irgendwann werden Haus und Garten verkauft und ich ziehe in eine altengerechte Wohnung in die Stadt", hat sie sich vorgenommen und fügt nach kurzem Nachdenken hinzu: "Ich hoffe, ich finde den richtigen Zeitpunkt zum Absprung."

Mehr Vertrauen

Die agrarpolitische Sprecherin der FDP-Fraktion, Christel Happach-Kasan, hat ihre Mutter - damals noch als Abgeordnete im schleswig-holsteinischen Landtag - bis zu ihrem Tod im Jahr 1999 gepflegt. "Ich habe meine Mutter sehr gut verstanden, dass sie so lange wie möglich in ihren eigenen vier Wänden sein wollte", sagt sie. Aus heutiger Sicht würde sie ihre Mutter dennoch früher in ein Heim geben, "auch, um mehr Kraft und Zeit für ihre emotionalen Bedürfnisse zu haben". Die letzten sechs Lebensmonate verbrachte die 84-Jährige im Heim - und sei da "sehr gut umsorgt worden". Seither habe sie "mehr Vertrauen in Pflegeeinrichtungen", sagt Happach-Kasan.

Aus Politik und Zeitgeschichte

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