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Gastkommentar Contra
Frank Thewes
Basis für Euro-Zone

Kein Politiker in Europa hat sich persönlich als so krisenresistent erwiesen wie Angela Merkel. Die Kanzlerin mag in der komplexen Finanzkrise nicht immer alles richtig gemacht haben. Sie hat aber mit enormer Nervenstärke ein Zeitfenster genutzt, um der vom Zusammenbruch bedrohten Euro-Zone eine solidere Basis zu verschaffen. Hinter den Fiskalpakt kann der Staatenbund mit der gemeinsamen Währung nicht mehr zurückfallen. Im Gegenteil: Alle weiteren Reformen werden darauf aufbauen müssen.

Das bedeutet nicht, dass Merkel künftig in Europa leichtes Spiel haben wird. Denn wenn es ums Geld geht, hat fast jeder deutsche Regierungschef gut drei Viertel der EU gegen sich. Merkel aber kann sich auf einen wichtigen Verbündeten stützen: die Finanzmärkte. Jeder Zweifel daran, dass Euroländer den bereits vereinbarten Fiskalpakt doch nicht so Ernst nehmen, wird sich automatisch in starken Zinssteigerungen niederschlagen. Diesen Effekt hat die Kanzlerin bereits mehrfach eiskalt genutzt. Bislang hat Merkel es noch immer geschafft, im entscheidenden Moment Mehrheiten zu besorgen. Wer ihre Fähigkeit unterschätzt, hat schon verloren.

François Hollande braucht Deutschlands Kanzlerin mindestens genau so wie Merkel umgekehrt auf das Wohlwollen von Frankreichs neuem Präsidenten angewiesen ist. Das wird beide zusammen schmieden. Merkollande wird schneller zusammenwachsen als Merkozy und andere mitziehen.

Im Wahlkampf sind Politiker erfolgreicher, wenn sie Unterschiede betonen. Sobald sie aber regieren, müssen sie möglichst viele Gemeinsamkeiten finden, um Ergebnisse vorzeigen zu können. Das gilt erst recht für die EU - und noch mehr für die Eurozone. Deren gemeinsame Botschaft kann nur sein: Solide Finanzen und (!) mehr Wachstum.

Aus Politik und Zeitgeschichte

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