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AUFGEKEHRT
Verena Renneberg
HERRliche Aussichten!

Wahre Schönheit kommt von innen und nicht von -Innen: Eine Einstellung, die immer mehr Frauen teilen. Immer weniger Frauen, so scheint es, wünschen sich eine sogenannnte "geschlechtergerechte" (neudeutsch: "gegenderte") Ansprache. Les- und Sprechbarkeit der deutschen Sprache sollen sich dadurch erhöhen; in Zeiten bedenklicher Pisa-Ergebnisse keine schlechte Idee. Und: Jeder oder jede Kranke(r) fühlt sich doch erst so richtig krank, wenn man(n) ihm/ihr besondere Rücksicht entgegen bringt und ihn/sie stets an seine/ihre Krankheit erinnert .

Längst sind es aber nicht mehr nur die Frauen, die es zu beschützen gilt. Für so ziemlich jeden in unserer Republik gibt es mittlerweile ein Ministerium, das ihn beschützt: das Familienministerium; mit vollem Namen "Bundesministerium für Familie, Senioren, Frauen und Jugendliche". Wenn man davon ausgeht, dass unter Jugendliche auch Kinder gefasst werden, ist hier wirklich jeder berücksichtigt - abgesehen von alleinstehenden Männern zwischen 18 und 65 Jahren.

Diese bedauernswerte Randgruppe scheint Bundesfamilienminsiterin Kristina Schröder (CDU) sogar noch weiter an den Rand der Gesellschaft zu drängen: mit der Einführung einer "Flexi-Quote" zur Förderung von Frauen in Unternehmen. Das Gute: Wenn diese Quote kommt, dürfen sich Frauen endlich wieder beschützenswert fühlen - und die Herren dürfen ihnen wieder die Tür aufhalten. Ein Schönheitsfehler bleibt: "frau" muss sich künftig fragen, ob sie bloß eingestellt wurde, damit eine Quote erfüllt wird.

Als Alternative zu so viel Selbstzweifel soll es ja das sogenannte Betreuungsgeld alias "die Herdprämie" geben. Da weiß man, was man hat. Nur dann muss das Familienministerium in "Ministerium für alleinstehende Männer und Kinderlose" umbenannt werden.

Aus Politik und Zeitgeschichte

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