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Verena Renneberg
Schutz gegen Rechts

SICHERHEIT Jüdische Einrichtungen sind besonders gefährdet

Die goldglänzende, mächtige Kuppel der Neuen Synagoge in der Oranienburger Straße in Berlins Mitte ist weithin sichtbar. Beim Näherkommen fallen die Eisenketten ins Auge, mit denen der Vorplatz weithin abgesperrt ist. Zwei Polizisten patroullieren hier, Tag und Nacht. Einer von ihnen trägt schwarze Schulterklappen auf seinem hellblauen Diensthemd; das Erkennungszeichen des "Zentralen Objektschutzes", einer Spezialeinheit der Berliner Polizei mit mehr als 1.000 Mitarbeitern. Diese sind unter anderem für den Schutz der etwa 50 jüdischen Einrichtungen in der Bundeshauptstadt zuständig, die als besonders gefährdet eingestuft werden. Die zwei Polizisten vor der Berliner Synagoge sehen in ihrer Aufgabe eine "oberste Priorität". Und sie zeigen sich überzeugt, dass die Bewachung ihren Zweck erfüllt.

Immer wieder Übergriffe

Auch im übrigen Bundesgebiet wird ein großer Teil jüdischer Kindergärten, Kulturzentren, Gemeindehäuser und Synagogen rund um die Uhr bewacht. Denn immer wieder waren in den vergangenen Jahrzehnten jüdische Bürger, Einrichtungen und Gedenkstätten in Deutschland Ziele von Anschlägen: 1970 sterben sieben Menschen bei einem nächtlichen Brandanschlag auf ein israelitisches Altenheim in München, 1994 setzt ein Molotowcocktail die Lübecker Synagoge in Brand, im Jahr 2000 brennen die Synagogen in Erfurt und Düsseldorf, und 2007 werfen Unbekannte eine Rauchbombe in einen jüdischen Kindergarten in Berlin. Und das ist nur ein Ausschnitt solcher rechtsextremer Übergriffe.

Die Objektschützer in der Oranienburger Straße in Berlin arbeiten in Zwölf-Stunden-Schichten; Zwischenfälle habe es in den letzten Jahren nicht gegeben. "Jedenfalls nicht, seitdem wir hier sind", sagt einer der beiden Polizisten, "und das sind schon einige Jahre." Ihre Namen wollen sie nicht nennen, ins Detail dürfen sie nicht gehen.

Auch der Zentralrat der Juden in Deutschland will "in Sicherheitsfragen keinerlei Stellungnahmen" abgeben: Unter dem Dach des Zentralrats sind die Landesverbände mit insgesamt 108 jüdischen Gemeinden und ihren etwa 105.000 Mitgliedern organisiert.

Beschämend

Dass der Polizeischutz für jüdische Einrichtungen "beschämend" für Deutschland sei, betonte zu Jahresbeginn Johannes Diks, Bürgermeister der Stadt Emmerich am Rhein während einer Gedenkfeier für NS-Opfer. Dass wieder Juden in Deutschland lebten, sei schließlich "ein Geschenk und eine Verpflichtung, dem Antisemitismus entgegenzutreten".

Aus Politik und Zeitgeschichte

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