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AUFGEKEHRT
Julian Burgert
Mehr Farbe im Straßenverkehr

Rosa oder blau? Stellte sich diese Frage früher nur beim Streichen des Kinderzimmers, so könnte sie in Zukunft auch die Autofahrer der Nation beschäftigen. Nicht für die Farbe des Autos, da werden Schwarz und Silbergrau wohl auch weiterhin unbestritten die Hitliste anführen. Nein, es geht um die Farbe der Parkscheibe. Da werden wir womöglich bald die Auswahl haben, zumindest, wenn es nach den Initiatoren der Online-Petition 37716 "Straßenverkehrsordnung - Kein vorgeschriebene Grundfarbe für Parkscheiben" geht. Diese ging am November auf der Webseite des Bundestages ein und darin wird gefordert, dass Parkscheiben auch andersfarbig sein dürfen, nicht wie bisher, nur blau. Wahrscheinlich wissen nur wenige, dass die Straßenverkehrsordnung auchhierfür eine Vorschrift bereit hält, aber schließlich sind wir hier in Deutschland, da gibt es für (fast) alles Regeln. Und die müssen befolgt werden, dachte sich wohl auch die zuständige Politesse in Herten im Ruhrgebiet, die den Stein ins Rollen brachte. Sie gab einer Autofahrerin einen Strafzettel über fünf Euro für eine rosa Parkscheibe. Was den einen Ausdruck künstlerischen Intellekts und Individualität ist, ist für die anderen eben rebellischer Ungehorsam. Und wo kämen wir da hin, wenn jeder auf einmal alles dürfte? Genau, nach Mannheim. Dort legte nämlich der Besitzer des Wagens seinen Parkschein kurzerhand neben 30 anderen, längst abgelaufenen Parkscheinen auf dem Armaturenbrett ab und obließ es den Verantwortlichen vor Ort, den richtigen zu finden. Für dieses Puzzlespiel gab es kein Knöllchen. Die Erfolgsaussichten von Petition 37716 sehen jedoch schlecht aus. Bei Redaktionsschluss hatte sie 793 Mitzeichner, 50.000 werden benötigt. Farbliebhaber der Nation, sputet euch!

Aus Politik und Zeitgeschichte

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