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AUFGEKEHRT
Hans Krump
Auf der Höhe der Sprache

Mit der Sprache ist es heute wie in der digitalen Welt: Man muss ständig auf der Hut sein, neueste Trends nicht zu verpassen. Überall scannen Lobbygruppen vertraute Wörter, ob sie Klischees produzieren, herabwürdigend, sexistisch oder gar rassistisch sind. Jetzt hat die Nationale Armutskonferenz 23 Begriffe als "soziale Unwörter" ausgemacht. So soll es "sozial Schwache" künftig nicht mehr geben, denn wer kein Geld hat, ist ja nur ökonomisch schwach und nicht unsozial. Auch gängige Begriffe wie "arbeitslos", "alleinerziehend" oder "Behindertentransport" stellt die Konferenz auf den Index.

Apropos Behinderter. Das Wort ist längst Opfer der politisch korrekten Wortverschiebung, es heißt jetzt "Mensch mit Behinderung". Schließlich darf ein Mensch nicht nur auf sein Behindertendasein reduziert werden. Aber warum heißt es dann noch Lehrer? Die können doch auch viel mehr als nur lehren. Aber wenn schon, dann bitte korrekt Lehrerinnen und Lehrer! Oder besser partizipial gleich Lehrende, so wie beim gegenderten Studierenden statt dem Studenten, was heute jeder deutsche Professor peinlichst beachtet. Da muss man jetzt nur noch den essenden oder gar sterbenden Studierenden akzeptieren.

Noch mehr Sensibität ist bei ganzen Völkerschaften angesagt. Zigeunerschnitzel ist tabu, Eskimo ebenso, weil das für Roh- fleischesser stehen soll (heißt jetzt Inuit). In alten Kinderbüchern müssen "Negerkönige" verschwinden. Am besten stellt man eine Wortliste auf und erfindet selbst vorsorglich neue Begriffe, um stets auf der sicheren Seite zu sein. Statt Negerkuss, Mohrenkopf oder Schokokuss also heute Dickmann. Vorsichtshalber kann man sich aber schon notieren: Dickmensch, übergewichtiger Mensch, stark gebauter Mensch. Trotzdem Guten Appetit!

Aus Politik und Zeitgeschichte

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