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ORTSTERMIN: ONLINE-ARCHIV DES BUNDESTAGES
Julian Burgert
64 Jahre Parlamentsgeschichte im Web

Transparenz und Bürgernähe sind zwei Grundprinzipien des Bundestages. Für diese stehen nicht nur die gläserne Kuppel des Reichstagsgebäudes, sondern auch das Online-Archiv des deutschen Parlamentes. In letzterem können Bürger die Plenarprotokolle und parlamentarischen Dokumente des Bundestages frei einsehen. Bisher umfasste das Archiv nur die Unterlagen von 1976 an. Aber jetzt sind auch die Plenarprotokolle, Gesetzesentwürfe und weiteren Vorlagen seit 1949 vorhanden.

Somit ist "die Parlamentsgeschichte der Bundesrepublik Deutschland vollständig online verfügbar", sagte Bundestagspräsident Norbert Lammert (CDU) bei der Präsentation des neuen Online-Archivs vergangene Woche im Paul-Löbe-Haus.

Lammert nannte die Datenbank eine "beachtliche Ergänzung unseres Service-Angebotes". Als Beispiel verwies er auf die Pariser Verträge, die "auf den Tag genau" vor 58 Jahren im Bundestag debattiert und beschlossen wurden. Auch das Protokoll dieser Debatte und die Originalversionen der Dokumente, die bislang nur "auf konventionellem Wege" aufrufbar waren, seien nun online auffindbar.Mit der vollständigen Digitalisierung der Protokolle und parlamentarischen Drucksachen gehe der Bundestag im internationalen Vergleich der Parlamente als "leuchtendes Beispiel voran", sagte der Bundestagspräsident weiter.

Die Leiterin des Referats Parlamentsdokumentation des Bundestages, Monika Jantsch, erklärte, diese Erweiterung schließe eine "digitale Lücke". Die Digitalisierung der Materialien habe die Bundesdruckerei in Berlin übernommen. Seit 2010 seien hier die bisher noch fehlenden 75.000 Unterlagen eingescannt und in elektronische Datensätze umgewandelt worden. Die insgesamt 1,25 Millionen Seiten seien zudem nach Rechtschreibfehlern und anderen Ungenauigkeiten untersucht und für das Archiv aufbereitet worden.

Michael Seadle, Direktor des Instituts für Bibliotheks- und Informationswissenschaften an der Humboldt-Universität zu Berlin, unterstrich die vielen Vorteile, die das neue Angebot Wissenschaftlern biete. Sie hätten von nun an von ihren Schreibtischen aus direkten Zugang zu tausenden Dokumenten und könnten dadurch viel effizienter arbeiten. Das sei gerade für Wissenschaftler, die nicht in Deutschland leben, wichtig. Seadle hob zudem die Möglichkeiten hervor, komplexe Suchen auch innerhalb der Texte durchzuführen sowie diese unkompliziert von einem speziellen Programm übersetzen zu lassen. Der barrierefreie Zugang zu den Schriftstücken sei außerdem für Sehbehinderte ein "hervorragender Fortschritt". Auch schone die Digitalisierung die originalen Drucksachen und helfe dabei, sie zu erhalten, denn "jede Benutzung schadet dem Papier".

Eine eigens von der Bundestagsverwaltung entwickelte Suchmaske ermöglicht die Suche nach speziellen Dokumenten anhand der Drucksachennummern, Titel oder einzelner Stichworte. Zudem sind Sucheinschränkungen nach Datum, Urheber oder Art der parlamentarischen Dokumente erlaubt.

Die Datenbank ist auf der Website des Bundestages unter http://pdok.bundestag.de/ zu finden.

Aus Politik und Zeitgeschichte

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