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Hans Krump
Die Kümmerin: Elke Hoff

Elke Hoff reagiert energisch. "Diese Debatte ist ein großer Unfug", sagt die Verteidigungsexpertin der FDP-Fraktion zur Frage, ob der wirtschaftspolitische Riese Deutschland sich nicht bei weltweiten Militäreinsätzen zu zurückhaltend zeige. "Die Stärke eines Landes und einer Demokratie hat nichts damit zu tun, viele Soldaten ins Ausland zu schicken." Es gehe immer darum, wie politische Ziele erreichbar seien. Und da brauche sich Berlin nicht zu verstecken, meint Elke Hoff. Seit zwei Jahrzehnten seien permanent rund 7.000 Bundeswehrsoldaten im Auslandseinsatz. "Oft sind wir die Letzten, die die Einsatzregionen verlassen" - wie in Afghanistan oder auf dem Balkan.

Bis Ende 2014 steht der Rückzug vom Hindukusch an. War der zwölfjährige Bundeswehr-Einsatz mit mehr als 50 getöteten deutschen Soldaten trotz fortwirkender Taliban-Bedrohung ein Erfolg? Hoff äußert sich zurückhaltend. "Das hängt von den Erwartungen ab", sagt sie. Deutschland habe einen "wesentlichen Beitrag geleistet", afghanische Kräfte auszubilden, die die Sicherheit des Landes nach Abzug der Nato-Truppen garantieren sollen. Alles hänge aber von der noch ausstehenden politischen Lösung ab, die verschiedenen Konfliktparteien zusammenzubringen. Hoffnungsvoll sei, dass sich auch Pakistan, von dessen Territorium aus die Taliban in Afghanistan operierten, in dieser Frage engagiere.

Ein anderes wichtiges Thema ist für Elke Hoff die Bundeswehrreform. Seit den 1990-er Jahren jagt eine Neuerung die nächste. Die Truppe wird reduziert, Standorte werden aufgelöst, die Wehrpflicht ist abgeschafft und die Soldaten werden fit gemacht für immer neue Auslandseinsatze. Wird irgendwann einmal "mehr Ruhe" in die Bundeswehr hineinkommen? Hoff: "Es gibt keine Reform für die Ewigkeit. Wir müssen auf sich ständig verändernde sicherheitspolitische Lagen in der Welt reagieren." Die FDP-Frau teilt nicht die Skepsis derer, die sich nach dem Ende der Wehrpflicht um ausreichenden und qualifizierten Nachwuchs für die Truppe sorgen. Nur bei der Suche nach IT-Spezialisten könne es wegen der Konkurrenz mit der Wirtschaft eng werden, aber hier müsse sich der öffentliche Dienst generell etwas einfallen lassen, sagt die 55-Jährige.

Elke Hoff kam 2005 über die Landesliste Rheinland-Pfalz in den Bundestag. Zuvor hatte die ausgebildete Kauffrau für Grundstücks- und Wohnungswirtschaft leitende Positionen in der Kreisverwaltung Neuwied und in der Struktur- und Genehmigungsdirektion Nord in Koblenz inne. Im Bundestag gehört Hoff seit ihrem Einzug dem Verteidigungsausschuss an, wo sie sich rasch einen Namen als Expertin in vielen Fragen machte. Unermüdlich setzte sich die Liberale für eine bessere Versorgung körperlich und seelisch verwundeter Soldaten bei Auslandseinsätzen ein. Im Oktober 2011 hatte ihr Engagement und das anderer Kollegen mit der Verabschiedung eines entsprechenden Gesetzes Erfolg. "Das war eines meiner positivsten Erlebnisse", sagt sie. Zu den düstersten Momenten gehörten stets die Nachrichten über gefallene Soldaten. Die Liberale strebte immer die direkte Information an und machte sich einen Namen durch regelmäßige Truppenbesuche im Ausland und zu vielen Krisenherden dieser Welt.

2010 wurde die temperamentvolle Hoff als Nachfolgerin für den ausscheidenden Wehrbeauftragten Reinhold Robbe gehandelt. Die FDP hatte laut Koalitionsvertrag Zugriff auf dieses Amt. Doch Hoff lehnte das Angebot von Parteichef Guido Westerwelle ab. "Ich kam zum Schluss, dass ich als sicherheitspolitische Fraktionssprecherin mehr für die Soldaten erreichen kann als als Wehrbeauftragte." So bekam ihr Fraktionskollege Hellmut Königshaus die Aufgabe.

Im Herbst scheidet Elke Hoff nach acht Jahren aus dem Bundestag aus - aus freien Stücken. Vergangene Woche hielt sie ihre letzte Rede im Plenum ("Ich melde mich ab"). "Ich wollte nie meinen Lebensabend im Parlament verbringen", sagt die Abgeordnete, die in ihrem Leben stets neue Akzente setzte. "Ich bin froh, den Zeitpunkt selbst zu bestimmen, wann ich aufhöre", sagt Elke Hoff. Sie hat nur wenig Verständnis für Kollegen, die aus der Tretmühle Politik nicht mehr herausfinden. Die Mutter dreier Kinder freut sich, demnächst im Wohnort Lohmar mit ihrem Mann, der ein mittelständisches Unternehmen führt, "das Leben neu gestalten zu können". Elke Hoff wird dann auch mehr Zeit für ihre Hobbys haben - Bücher lesen und vor allem mit ihrem Boot in der Nordsee segeln.

Aus Politik und Zeitgeschichte

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