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Julian Burgert
Auf Martin Luthers Spuren

TOURISMUS Zum Jahrestag der Reformation locken vielfältige touristische Angebote

Im Jahr 2017 feiern die Protestanten das 500. Jubliäum der Reformation. Zum Jahrestag des Thesenanschlags Martin Luthers an der Schlosskirche in Wittenberg werden in Deutschland viele Touristen aus aller Welt erwartet. Schon jetzt wird das Reformationsjubiläum im Rahmen der Lutherdekade zelebriert und touristisch beworben. In der vergangenen Woche beschäftigte sich auch der Tourismusausschuss des Bundestag in einer öffentlichen Anhörung mit dem Thema. Sieben Sachverständige waren eingeladen, über den "spirituellem Tourismus vor dem Hintergrund der Lutherdekade" zu berichten.

Vielfältiges Angebot

Christian Antz von der Fachhochschule Westküste in Heide sagte, spiritueller Tourismus sei stark im Kommen. "Weil die Menschen das wünschen". Sie wollten mehr als nur Urlaub, sondern auch "Spiritualität, Emotionen, Werte, Heimat und Sinn". Das betreffe sowohl ältere als auch jüngere Menschen. Allerdings müsse darauf geachtet werden, dass die Investitionen im Rahmen der Lutherdekade auch nachhaltig touristische Wirkung erzielten. Er wies darauf hin, dass die Kirchen "das spirituelle Original" besitzen und die Inhalte der touristischen Angebote liefern müssten. Dabei kritisierte er jedoch, dass es vor Ort sehr viele verschiedene Initiativen gebe. Diese müssten stärker gebündelt werden, damit der Gast nicht den Überblick verliere.

Als Verbindung von kulturellem und spirituellem Tourismus beschrieb Jürgen Dittrich, Präsident der Lutherweg-Gesellschaft e.V., den Lutherweg. Der Wanderweg entlang des Lebensweges Martin Luthers solle den Menschen im Sinne des Pilgerns Erfahrung über den Alltag hinaus liefern und die authentischen Stätten der Reformation näher bringen. Außerdem spreche der Lutherweg natürlich explizit Wanderer als Zielgruppe an. Ein solches Angebot ermögliche es auch, "über 2017 hinweg, die Thematik des spirituellen Tourismus nachhaltig zu gestalten."

Birgit Dittmar von der Deutschen Zentrale für Tourismus (DZT) erklärte, der Name Luther stärke im Ausland das positive Image Deutschlands und trage zu dessen Stellung als Kulturreiseland Nummer Eins in Europa bei. Deshalb bewerbe die DZT die Lutherdekade seit 2008 unter der Rubrik "Spirituelles Reisen" auf ihrer Website. Für das Auslandsmarketing habe die DZT die zwei Themenblöcke "Reformation und Musik" und "Reformation - Bild und Bibel" herausgearbeitet. Die Lutherdekade werde zudem durch gezielte Präsentationen im Ausland bekannt gemacht. So habe man im September 2012 eine große Marketing-Veranstaltung im südkoreanischen Seoul veranstaltet und für 2013 sei eine ähnliche Veranstaltung in Finnland geplant.

Thies Gundlach, Vizepräsident des Kirchenamtes der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD), wies ebenfalls auf den "gewaltigen Klang" hin, den die Stadt Wittenberg und die Person Martin Luther im Ausland hätten. Über 400 Millionen reformistisch geprägte Christen wären daran interessiert, nach Deutschland zu kommen. Vor Ort brauche es jedoch auch eine Infrastruktur, die die Interessen der Menschen aufnehme, speziell mehrsprachige Informationsangebote in Klöstern und Kirchen. Gundlach erinnerte daran, dass die Lutherdekade und das Reformationsjubiläum 2017 "kein evangelisches Kirchenfest" seien, sondern auch religiös nicht gebundene Menschen ansprächen. Zudem wies Gundlach die Kritik Antz' an der fehlenden Bündelung der Angebote zurück. "Auf der politischen Ebene war von Anfang an eine Bündelung da, bei der eine gemeinsame Grundrichtung ausgemacht wurde."

Luther 2017

Erst seit kurzem existiert die Staatliche Geschäftsstelle "Luther 2017", deren Geschäftsführer Stefan Zowislo in der vergangenen Woche ebenfalls zur Anhörung eingeladen war. Sie ist eine Kooperation zwischen sieben Bundesländern und dem Bundesbeauftragten für Kultur und Medien mit dem Auftrag, "Deutschland und die beteiligten Länder als Land der Reformation national und international zu präsentieren." Zowislo erklärte, im Rahmen der Lutherdekade seien vier nationale Sonderausstellungen geplant: 2015 in Torgau und 2017 in Wittenberg, auf der Wartburg und in Berlin.

Antje Rennack von der Tourismus Marketing Gesellschaft Sachsen mbH und Projektkoordinatorin "Sachsen Barrierefrei" sagte, ihre Gesellschaft arbeite daran, entlang der gesamten touristischen Servicekette einen barrierefreien Zugang zu den Attraktionen zu ermöglichen. Manche Gebäude seien jedoch aufgrund des Denkmalschutzes nur eingeschränkt erreichbar. Trotzdem sei barriefreier Zugang ein Wettbewerbsvorteil, der auch beworben werden müsse.

Christoph Seele, Beauftragter der Evangelischen Kirchen beim Freistaat Sachsen, wies darauf hin, dass viele der touristischen Attraktionen im ländlichen Gebieten seien und die Infrastruktur zum Teil entsprechend wenig ausgebaut sei. Zudem gebe es Nachholbedarf bei der Unterbringung von Jugendlichen.

Aus Politik und Zeitgeschichte

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