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AUFGEKEHRT
Hans-Juergen Leersch
Ein Mops im Reichstag

Ein Leben ohne Mops ist möglich, aber sinnlos. Dieser Satz stammt von Loriot, der stets einen dieser niedlichen und immer gut gelaunten Vierbeiner mit den großen Augen an seiner Seite oder auf seinem Schoß hatte. Wäre Loriot nicht Unterhaltungskünstler gewesen, sondern hätte er sein Leben der Politik gewidmet, sein Mops hätte das Reichstagsgebäude und die benachbarten Bürohäuser allenfalls von außen betrachten dürfen. Denn Vierbeiner sind in den Gebäuden nicht erlaubt - und selbstverständlich auch keine Papageien und andere Haustiere.

Das soll nach dem Willen einiger Abgeordneter anders werden. Zwölf von ihnen würden nach Presseberichten gerne ihre Hunde ins Büro mitbringen und haben sich an den Ältestenrat gewandt, um eine Änderung der Hausordnung zu erreichen, nach der Tiere (außer Blindenführhunde) verboten sind. Der Tierschutzbund unterstützt die Aktion, weil Hunde gut fürs Betriebsklima seien. Einzige bekannte Ausnahme im Bundestag bisher war die Blindenführhündin "Fanta", die einen Mitarbeiter der Linksfraktion sicher durch die Gebäude brachte.

Vielleicht wäre die generelle Zulassung von Hunden doch des Guten zu viel, selbst wenn der Mops noch so interessiert der Arbeit im Büro zuschauen, das Arbeitsklima durch seine nette Art stark verbessern und sicher auch brav die Zeitung aus dem Nachbarbüro holen würde. Man stelle sich nur vor, der Jagddackel eines CSU-Abgeordneten stürzt sich wütend auf den kleinen Chihuahua einer SPD-Kollegin, und der Beagle eines FDP-Abgeordneten bekommt regelmäßig ausgerechnet vor dem Zimmer eines bestimmten Fraktionskollegen eine Blasenschwäche. Es bleibt wohl nur das Politik-Leben ohne Mops & Co.

Aus Politik und Zeitgeschichte

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