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ORTSTERMIN: SCHLÜSSELÜBERGABE IM SCHADOW-HAUS
Julian Burgert
Ein echter Gewinn für Berlin

Die Quadriga auf dem Brandenburger Tor kennt fast jeder, ihren Schöpfer dagegen nur wenige: Johann Gottfried Schadow. Schadow lebte von 1764 bis 1850 und war der bedeutendste Bildhauer des deutschen Klassizismus. Der Künstler wohnte nicht weit von seinem berühmtesten Werk entfernt, in der heute nach ihm benannten Schadowstraße 10-11 in Berlin Mitte. Sein Haus, 1805 erbaut, ist eines der letzten erhaltenen klassizistischen Gebäude in Berlin. Es war seit 2006 von Grund auf saniert und renoviert worden, und wurde vergangene Woche an den Bundestag übergeben. Bundestagspräsident Wolfgang Thierse (SPD) nahm den Schlüssel zum renovierten Schadow-Haus in Empfang.

"Mit der Sanierung des Schadow-Hauses übernimmt der Bundestag Verantwortung für den Erhalt eines besonderen Bau- und Kulturerbes der Hauptstadt", sagte Wolfgang Thierse in Beisein von Bundestagspräsident Norbert Lammert (CDU) und Bundestagsvizepräsident Eduard Oswald (CSU). In dem Gebäude ließen sich die Facetten der bürgerlichen Stadtgeschichte, "zweier ganzer Jahrhunderte ablesen". Schadow, der Erbauer des Hauses, sei eine der prägendsten Gestalten der preußischen Kunst und Kulturgeschichte gewesen. Die Renovierung und Restaurierung des Hauses sei auch deshalb "ein wichtiges persönliches Anliegen", sagte Thierse, da der Entschluss zur Herrichtung des Hauses in seiner Amtszeit als Bundestagspräsident (1998 bis 2005) gefallen sei. Nach der Renovierung sei es nun ein "echter Gewinn für Berlin".

Die Restaurierung sei eine spannende Zeit, eine enorme Herausforderung und eine erhebliche finanzielle Geduldsprobe geworden.

Die Präsidentin des Bundesamtes für Bauwesen und Raumordnung, Rita Ruoff-Breuer, sagte, nach der langen und anspruchsvollen Projektarbeit sei sie stolz darauf, dieses hergerichtete Schadow-Haus nun übergeben zu können. "Das Haus ist ein Denkmal von kultureller und nationaler Bedeutung." Der preußische König Friedrich Wilhelm III. habe Schadow das Haus als Anerkennung dessen künstlerischer Leistungen geschenkt, sagte Ruoff-Breuer. "Es war, wenn man so will, schon damals eine öffentlich geförderte Baumaßnahme." Bei der Renovierung und Restaurierung habe die Prämisse gegolten, die originale Bausubstanz so gut wie möglich zu erhalten. So wurden die Farben der Räume nach alten Rezepten gefertigt, Ziegel nach alten Angaben nachgebrannt und historische Details ergänzt. 40 Restauratoren hätten daran gearbeitet, das Haus in ein "Schmuckstück" zu verwandeln.

Hans-Joachim Henzgen vom Bundesamt für Bauwesen und Raumordnung, das für die Restaurierung zuständig war, sagte, die denkmalpflegerischen Anforderungen des Umbaus seien nur mit der Museumsinsel in Berlin zu vergleichen. "Alles, was erneuert werden musste, wurde mit historischen Baustoffen ersetzt." Besonders problematisch sei die Dachstuhlsanierung gewesen. Die Balken waren mit einem hochgiftigen Holzschutzmittel kontaminiert, das man aber habe entfernen und die Balken dann versiegeln können.

Die Gesamtkosten des Umbaus betrugen knapp 17 Millionen Euro. Das Haus wurde renoviert, um Platz für zusätzliche Büros für die Bundestagsverwaltung zu schaffen. Auf 1.000 Quadratmetern wird zukünftig das Kunstreferat des Bundestages untergebracht sein. Julian Burgert

Aus Politik und Zeitgeschichte

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