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AUFGEKEHRT
Julian Burgert
Berliner Luft für lau

Nichts im Leben ist umsonst, nur der Tod - und der kostet das Leben." An dieser Volksweisheit ist einiges dran: Eine Bearbeitungsgebühr hier, eine Nutzungspauschale dort, und zum Schluss kommt noch einmal die Steuer dazu. Gerade bei letzterer ist der Staat immer wieder besonders einfallsreich: Ungarn und Dänemark verlangen eine "Fettsteuer" auf ungesundes Essen, in Österreich gibt es eine "Blaulicht-Steuer" für Polizeieinsätze bei Bagatell-Unfällen, zahlreiche US-Bundesstaaten erheben Abgaben auf illegale Drogen. Köln und andere Städte verlangen eine "Sexsteuer" und für Tantra-Massagen ist in Deutschland seit kurzem die Vergnügungssteuer fällig.

Gerade im Sommer ein großes Thema ist übrigens die sogenannte "Raumsteuer", die Kommunen von Geschäften und Gaststätten verlangen, sollten diese den öffentlichen Raum vor ihren Türen nutzen. Also, wenn sie Tische und Stühle oder eine Hinweistafel auf den Gehweg stellen. Ein anderer Name für diese "Raumsteuer" ist "Luftsteuer", was uns zum Flughafen der venezolanischen Hauptstadt Caracas bringt. Dieser verlangt nämlich seit einiger Zeit von seinen Fluggästen eine "Atemsteuer" für die saubere Luft im Flughafengebäude. 135 Bolivares pro Gast, umgerechnet 15 Euro, um so das neue Reinigungssystem der Klimaanlage zu bezahlen.

Noch ist die Berliner Luft nicht in den Verschmutzungssphären von Caracas angekommen, aber vielleicht sollten die Betreiber des BER die Idee im Hinterkopf behalten. Irgendwie müssen die Baukosten ja wieder rein. Allerdings müsste der Flughafen dazu erst einmal eröffnet werden. Da es danach in naher Zukunft aber nicht aussieht, bleibt die "Berliner Luft" wohl weiterhin kostenlos.

Aus Politik und Zeitgeschichte

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