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Daniel Goffart
Seht, was Ihr habt!

An Denkmälern herrscht kein Mangel: Bismarck-Büsten in Bronze, Kaiser- Wilhelm-Heldenposen in Stein sowie Reiterstatuen diverser Fürsten und Feldherren. Ferner Soldatenfriedhöfe, Erinnerungsorte und Holocaust-Mahnmale - vom einfachen "Stolperstein" bis zum Stelenfeld in Berlin. Seien wir ehrlich: Nicht jedes Denkmal ist gleich wichtig und ein Großteil der Denkmäler findet kaum noch Beachtung. Brauchen wir also vor diesem Hintergrund wirklich noch ein weiteres Denkmal - diesmal für die deutsche Einheit?

Wer argumentiert, dass 25 Jahre nach dem Fall der Mauer die Erinnerung an dieses epochale Ereignis allmählich verblasst, läuft mit geschlossenen Augen umher. Es gibt bereits Dutzende Denkmäler, die an den Mauerfall und die Wiedervereinigung erinnern. So ist ein großer Teil der früheren innerdeutschen Grenzübergänge als Freilichtmuseum konzipiert. Wachtürme, Mauerreste oder Kontrollstellen wurden erhalten. An zahlreichen früheren Passierstellen entlang der DDR-Grenze weisen zudem Schilder oder Kreuze auf die Opfer von Mauer und Stacheldraht hin. Frühere Stasi-Gefängnisse wurden zu Denkmälern umgewidmet, zahlreiche Kirchen im Osten sind als Hort des frühen Bürgerprotestes gekennzeichnet. In Berlin wurde der vollständige Verlauf der Mauer als steinerne Narbe in den Straßenbelag eingefügt. Ferner gibt es diverse Mauermuseen, ein riesiges Glockenspiel und - das Brandenburger Tor als deutsches Symbol schlechthin. Was also soll da noch ein zentrales Einheits-Denkmal? Und wo soll es stehen? In Berlin oder Leipzig? Warum nicht Helmstedt? Mein Vorschlag zur Güte: Besinnen wir uns doch lieber auf die vielen bestehenden Einheits-Denkmäler und schenken ihnen künftig etwas mehr Beachtung!

Daniel Goffart

Ressortleiter Politik

Focus-Redaktion Berlin

Aus Politik und Zeitgeschichte

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