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Parlamentarisches Profil
Hans Krump
Der Mariner: Ingo Gädechens

Die Bundeswehr als „Wohlfühlzone“ mit Wlan-Anschluss im Zimmer, perfekter Kita-Betreuung, geregelter Arbeitszeit und kräftigem Aufschlag beim Sold? Der Abgeordnete Ingo Gädechens, Unions-Obmann im Verteidigungsausschuss, kann mit solcher Kritik an den Attraktivitätssteigerungs-Vorhaben von Verteidigungsministerin Ursula von der Leyen (beide CDU) wenig anfangen. „In Zeiten des demografischen Wandels muss sich die Bundeswehr an die heutigen Standards anpassen, denn es werden junge Bewerber gebraucht“, sagt Gädechens. Die Truppe konkurriere im harten Wettbewerb um den knapperen Nachwuchs gegen die Wirtschaft und den übrigen öffentlichen Dienst. In vielen Feldern wie dem IT-Bereich oder Sanitätsdienst sei es schwer, Leute zu gewinnen. Da komme man an Themen wie der Vereinbarkeit von Familie und Beruf, besserer Bezahlung oder Computern in den Kasernenstuben nicht vorbei. „Die Bundeswehr als Großarbeitgeber von 185.000 Soldaten ist darauf angewiesen, ein gutes Arbeitsklima zu schaffen“, sagt Gädechens.

Geht all das womöglich zulasten der Kampfkraft? Die moderne Wehrtechnik und die Waffensysteme hätten heute Hightec-Standard und dazu brauche man gute Leute, mahnt er. „Die Bundeswehr ist kein Arbeitgeber wie jeder andere. Im Kampf um die besten Köpfe darf die Bundeswehr nicht hintanstehen.“ Deshalb steht der holsteinische CDU-Abgeordnete voll hinter dem Attraktivitätssteigerungs-Programm von der Leyens und ihrem Maßnahmengesetz, das am Freitag im Bundestag beraten wurde. Die Finanzierung der bis 2018 auf knapp eine Milliarde Euro veranschlagten Kosten hält Gädechens bei einem jährlichen Wehretat von 33 Milliarden Euro für gesichert. Das ganze gehe auch nicht zulasten dringend nötiger Investitionen. Gleichwohl weiß niemand, ob die Bundeswehr beim „Kampf um die besten Köpfe“ mithalten kann. War also die Suspendierung der Wehrpflicht durch Verteidigungsminister Karl-Theodor zu Guttenberg (CSU) 2011 nicht doch ein großer Fehler, weil man nun nicht mehr so einfach automatisch neues Personal gewinnen kann? Ingo Gädechens, der vor seinem Bundestags- einzug als Berufssoldat bei der Marine jahrzehntelang diente und die Wehrpflicht mit der Muttermilch aufgesogen hatte, wehrt ab: „Als die Wehrpflicht ausgesetzt wurde, hatten wir schon seit Jahren keine Wehrgerechtigkeit mehr, weil aufgrund der verkleinerten Armee nur noch ein geringer Teil der jungen Männer einberufen wurde.“ Zudem: Was habe der Truppe ein sechsmonatiger Kurz-Wehrdienst am Schluss noch gebracht, fragt er. Muss aber die Bundeswehr eines Tages nicht vielleicht doch wie Spanien Ausländer aufnehmen, um die Kasernen zu füllen? Da ist Gädechens strikt dagegen: „Wir sind eine Armee mit deutschen Hoheitsabzeichen und deshalb ist die deutsche Staatsbürgerschaft eine Grundvoraussetzung, wenn man Soldat bei der Bundeswehr werden möchte.“

Bei der Debatte um das Bundeswehrkonzept vertritt der 54-Jährige trotz erheblicher Personalschrumpfung nach diversen Reformen die Idee „Breite vor Tiefe“. „Die Truppe benötigt ein breites Fähigkeitsspektrum“, sagt er. „Mit den Stationierungsentscheidungen bleibt die Bundeswehr auch in ländlichen Regionen präsent und damit in der Gesellschaft verankert. “Gädechens weiß, wovon er redet. Nach der Mittleren Reife ging der gebürtige Lübecker 1977 als Zeitsoldat zur Marine und blieb dort als Berufssoldat bis zum Bundestagseinzug 2009 – zuletzt als Stabsbootsmann. Die See und das Wasser sind Gädechens Lebenselixier geblieben. Mit Ostseewasser evangelisch getauft, wuchs er an der Ostsee auf und war schon als Schüler Hilfsmatrose auf Bäderschiffen und Fischkuttern. Seit langem lebt er mit seiner Ehefrau in Burg auf der Insel Fehmarn.

So war der Weg in den Verteidigungsausschuss vorgezeichnet, als Gädechens 2009 der SPD das Direktmandat des Wahlkreises Ostholstein-Stormarn-Nord abstritt und 2013 erneut holte. In dieser Legislaturperiode wurde er zum Obmann und stellvertretenden verteidigungspolitischen Sprecher der Unionsfraktion im Verteidigungsausschuss gewählt. Was bleibt Gädechens als Hobbys? Spazieren mit dem neuen Yorkshire Terrier, Werkeln am Haus und für einen Marinemann natürlich – Segeln. Hans Krump

Aus Politik und Zeitgeschichte

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