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Gastkommentare - Pro
Markus Sievers
Marshallplan nötig

Konjunkturprogramm für Griechenland?

Griechenland hat es geschafft. In letzter Minute wendeten seine Regierung und die europäischen Partner das Horrorszenario mit Staatspleite und Euro-Austritt ab. Doch echte Freude kann die Aussicht auf Fortsetzung des Status Quo nicht auslösen. Europa hat sich wieder Zeit erkauft. Genau das wäre Gelegenheit, sich Gedanken zu machen über die Erfolge und Misserfolge der bisherigen Strategie. Ernsthaft kann niemand bestreiten, dass Griechenland an seiner Wettbewerbsfähigkeit arbeiten und die Ausgaben in Einklang mit den finanziellen Möglichkeiten bringen muss. Doch reicht es, zu kürzen und zu streichen? Die Wirtschaft liegt am Boden. Zuletzt profitierte sie vom starken Tourismus und von der Belebung der Handelsschifffahrt. Doch beide Sektoren sind zu klein, um einen dauerhaften Aufschwung zu ermöglichen. Griechenland braucht ein neues Wachstumsmodell.

Auch dabei ist es auf Hilfe von außen angewiesen. Einen Marshall-Plan für die Euro-Krisenländer forderte Peer Steinbrück (SPD), als er nicht als Finanzminister in Verantwortung stand. Genau das ist aber, was fehlt in der bisherigen Wirtschaftspolitik. Griechenland mangelt es an den grundlegenden Voraussetzungen für Innovationen, an Grundlagenforschung und anwendungsorientierten Hochschulen. Aus Investitionen in die Forschungs-Infrastruktur können mittelfristig konkurrenzfähige Branchen entstehen. Es geht nicht darum, abgelegene Dörfer mit Umgehungsstraßen und grandiosen Plätzen zu beglücken. Schon gar nicht geht es um ein Entweder-Oder. Das Wachstumsprogramm soll Reformen ergänzen, nicht ersetzen. Nur ein breit angelegtes Programm kann Griechenland aus der Krise herausführen. Dazu gehört auch ein europäischer Marshallplan.

Aus Politik und Zeitgeschichte

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