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Aufgekehrt
Sören Christian Reimer
»Watergate« beim BND

Der Bundesnachrichtendienst (BND) hat es schon nicht leicht: Von Alt-Nazis aufgebaut, immer mal wieder mit Pannen aufgefallen (Stichwort: Plutonium-Affäre), gilt er manchem Kritiker inzwischen als williger Partner der Über-Spione der US-Datenkrake NSA. Was an diesen Vorwürfen dran ist, klärt gerade sehr öffentlichkeitswirksam ein Untersuchungsausschuss des Deutschen Bundestages. Und nun scheint es in der neuen BND-Zentrale in Berlin auch noch ein Leck zu geben.

„Déjà-vu!“, mag man sich da zunächst denken. Aber es handelt sich nicht um eine neuerliche Enttarnung eines Doppelagenten wie im Falle eines BND-Mitarbeiters, der vergangenes Jahr festgenommen wurde und dem vorgeworfen wird, Infos an die CIA durchgestochen zu haben. Nein, das neuerliche Leck ist eher wörtlich zu verstehen: Das künftige BND-Hauptquartier hat einen Wasserschaden. Bisher unbekannte Täter haben vergangene Woche in dem noch nicht fertigen Neubau Wasserhähne in den oberen Stockwerken geklaut, möglicherweise um den Bau zu sabotieren. In der Folge – das Wasser stellten die Langfinger nicht ab – sprudelte und sickerte es offenbar kräftig. Wert der Beute laut Polizei: unter 100 Euro. Geschätzter Schaden am Gebäude: im Millionenbereich. Wie das auf einer streng gesicherten Baustelle geschehen konnte, ist noch unklar.

Wundern tut’s eher nicht, denn mit dem Bau hatte der Geheimdienst bisher sowieso nicht viel Glück: Der Kostenrahmen wurde deutlich gesprengt, der Bezug verzögert sich weiterhin und, ach ja, Baupläne wurden auch schon geklaut. Wenn der BND so spioniert, wie er baut, dann könnte man fast Mitleid mit der NSA haben.

Aus Politik und Zeitgeschichte

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