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Goldene Nasen

Staatsministerin Grütters will Kreative vor ungebändigtem Internetkapitalismus schützen

Die Bedeutung des Buches für die Entwicklung der Menschheit wurde immer wieder breit diskutiert. Jetzt hat Michael Hagner einen genialen Zwischenruf zur Sache des Buches im digitalen Zeitalter vorgelegt. Hagner gehört zu den wenigen Intellektuellen, die sich gleichermaßen qualifiziert zwischen den Natur- und Geisteswissenschaften bewegen. Der promovierte Mediziner und habilitierte Wissenschaftshistoriker lehrt an der ETH Zürich. Für seine Publikationen erhielt er 2008 den renommierten Sigmund-Freud-Preis für wissenschaftliche Prosa der Deutschen Akademie für Sprache und Dichtung.

In seinem informativen Buch hinterfragt der Autor die wichtigsten Aspekte rund um das Phänomen „Buch“ und spart kein Modethema aus: Angefangen von der hysterisch anmutenden Furcht vor dem Niedergang der Buchkultur über die vermeintliche E-Book-Revolution bis zum Open Access-Ansatz als Ausdruck einer weit verbreiteten „Alles umsonst“-Mentalität. In seinen gründlich recherchierten Essays analysiert Hagner zudem die bildungspolitische und gesellschaftliche Rolle des gedruckten Buches. Gleichwohl benennt er auch die Vorteile digitaler Lesegeräte, insbesondere ihre Interaktivität und ihre Chancen für die Demokratisierung des Lesens.

Trotz sorgsamen Abwägens zwischen Pro und Contra elektronischer Bücher fällt er ein hartes Urteil: Der prinzipielle Schaden von E-Books und Open-Access-Publikationen bestehe darin, dass sie jederzeit „lokalisierbar, beobachtbar, manipulierbar und tilgbar“ seien. Dagegen hält er das gedruckt Buch für den „maßgeblichen Ausweis einer moralischen Ökonomie der Geisteswissenschaften“, nicht den einzigen, aber denjenigen, „der zu ihrer Geltung am meistens beigetragen hat“. Hagners Fazit stimmt jedoch optimistisch: Der Tod des Buches sei noch nicht eingetreten. Als begeisterter Leser wünscht man sich, dass dies auch so bleibt.

Aus Politik und Zeitgeschichte

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