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Gastkommentare - Pro
Thomas Kröter
Wie Kreuz und Kippa

Kopftuch in Schulen?

Der Islam gehört zu Deutschland. Nun ist der Satz des früheren Bundespräsident Christian Wulff auch in Karlsruhe angekommen. Mehr als zehn Jahre nach seinem ersten „Kopftuch-Urteil“ hat das Bundesverfassungsgericht die Linie seiner Rechtsprechung korrigiert. Wenn religiöse Symbole in Schulen erlaubt sind, dann gilt das nicht nur für das christliche Kreuz und die jüdische Kippa. Auch das Kopftuch gehört zu Deutschland.

Zehn Bundesländer müssen nun ihre Bestimmungen für die Schulen, zum Teil für den gesamten öffentlichen Dienst revidieren. Die Richter haben indes nur den generellen Ausschluss des Kopftuchs untersagt. Ausnahmen sind erlaubt. Heftige Debatten stehen bevor, wann ein Kopftuch oder anderes religiöses Symbol das Zusammenleben in einer Schule oder Behörde stört. Tonlage und Ergebnis werden Aufschluss darüber geben, wie es steht mit Anerkennung und Toleranz in diesem Land.

Die Diskussion, die seit dem Urteil geführt wird, greift jedenfalls zu kurz. Es geht gerade nicht darum, ob die Entscheidung „pro Tuch“ die falschen, die dogmatischen Kräfte im Islam stärkt. Denn die Richter haben nicht nur über die Verhüllung des Kopfes weiblicher Amtspersonen entschieden. Sie haben auch die Vorschrift im nordrhein-westfälischen Schulgesetz gekippt, nach der christliche Werte und Traditionen bevorzugt werden sollen.

Was heißt das für den üblichen christlichen Religionsunterricht? Welche Folgen hat das für unsere Schulbücher? Darüber müssen wir reden: Christen mit Muslimen, Juden und Vertretern anderer Religionsgemeinschaften, aber auch die Christen untereinander. Und dabei eins bitte nicht vergessen: Unsere Gesellschaft ist längst nicht so christlich, wie sie vorgibt, wenn es um den Islam geht.

Aus Politik und Zeitgeschichte

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