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Chronik 2011/2012

Tunesien

Aus Protest gegen Polizeiwillkür verbrennt sich am 17. Dezember 2010 der Gemüsehändler Mohammed Bouazizi. In der Folge kommt es im ganzen Land zu Demonstrationen, die in gewaltsamen Unruhen münden. Am 14. Januar 2011 flüchtet Staatspräsident Zine el-Abidine Ben Ali nach Saudi-Arabien. Die von Ministerpräsident Mohammed Ghannouchi gebildete Übergangsregierung muss nach weiteren Protesten der Bevölkerung am 27. Februar zurücktreten, neuer Regierungschef wird Beji Caid Essebsi. Am 23. Oktober 2011 finden die ersten freien Wahlen zur verfassungsgebenden Versammlung statt, die einen Monat später erstmals zusammentritt.

Ägypten

Am 25. Januar demonstrieren erstmals zehntausende Ägypter gegen die Herrschaft von Präsident Hosni Mubarak und besetzen den Tahrir-Platz in der Hauptstadt Kairo (Tag des Zorns). Am 11. Februar tritt Mubarak ab. Ein Militärrat übernimmt die Macht und verspricht freie Wahlen. Mubarak wird am 2. Juni 2012 zu lebenslanger Haft verurteilt und ein Jahr später in einem Militärkrankenhaus unter Hausarrest gestellt. Bei den Wahlen zwischen Ende 2011 und Mitte 2012 erringen die Muslimbrüder und andere islamische Parteien die Mehrheit im Parlament und der verfassungsgebenden Verfassung. Zum neuen Präsident wird der Muslimbruder Mohammed Mursi gewählt, Dies führt zu Protesten liberaler und säkularer Kräfte, die Ende November 2012 eskalieren, nachdem Mursi sich weitere Machtbefugnisse gegenüber der Justiz einräumen lässt und sich der Entwurf für die neue Verfassung auf Grundsätze der Scharia beruft. Die Verfassung wird in einem Referendum am 15. Dezember trotzdem von der Mehrheit der Bevölkerung angenommen. Anfang Juli 2013 putscht das Militär, nachdem die Proteste gegen Mursi nicht abreißen.

Libyen

Ab Mitte Februar 2011 kommt es zu Massenprotesten gegen das Regime von Staatschef Muammar al-Gaddafi, die zu bürgerkriegsähnlichen Zuständen führen. Am 17. März fordert die Uno schließlich eine Flugverbotszone über Libyen. In einem mehrmonatigem Bürgerkrieg bringen die Rebellen unter Führung eines Nationalen Übergangsrates mit Unterstützung von Nato-Luftangriffen das Land unter Kontrolle. Gadddafi wird am 20. Oktober erschossen aufgefunden. Der Übergangsrat kann seine Autorität jedoch nur mit Mühe im Land durchsetzen. Am 7. Juli 2012 wird ein Nationalkongress gewählt. Aus der Wahl geht die Allianz Nationaler Kräfte von Mahmud Dschibril als Sieger hervor. Seitdem wird das Land jedoch weiterhin von einem Bürgerkrieg rivalisierender Milizen erschüttert.

Syrien

Protestaufrufe führen im Februar 2011 zur Verhaftung von Oppositionellen. In den folgenden Wochen demonstrieren tausende Syrer im ganzen Land gegen das Regime von Präsident Baschar al-Assad und fordern dessen Rücktritt. Sicherheitskräfte gehen ab März gewaltsam gegen die Demonstranten vor. Syrien gerät in einen blutigen Bürgerkrieg, der bis heute anhält.

Aus Politik und Zeitgeschichte

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