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Gastkommentare - Pro
Christian Schlesiger
Eine gute Balance

REICHT DAS FRACKING-GESETZ DER REGIERUNG?

Die Mehrheit der Deutschen lehnt Fracking ab. Es wäre daher nur populär, die umstrittene Fördertechnologie zu verbieten. Doch der von der Bundesregierung vorgelegte Gesetzesentwurf erlaubt Fracking - und damit gelingt der Regierung ein fairer Kompromiss.

Denn erstens: Das Fracking wird nicht ohne weiteres freigegeben, sondern unter klare Regeln gestellt. Es wird als Risikotechnologie eingestuft und mit hohen Auflagen reguliert.

Zweitens: Der Gesetzesentwurf erteilt Unternehmen keinen Freischein für die Zerstörung der Umwelt, sondern sichert ein hohes Maß an Umweltschutz. Verbotszonen etwa in Trinkwassergebieten und in der Nähe von Talsperren sorgen ja gerade dafür, dass unkonventionelles Fracking nicht willkürlich auf jeder Wiese zum Einsatz kommen kann. Zudem behalten die Bundesländer die Möglichkeit, etwa in Gebieten mit Mineralwasservorkommen, zusätzliche Verbotszonen zu definieren.

Und drittens: Der Gesetzesentwurf wird keinen Fracking-Boom in Deutschland auslösen, sondern die Technik auf wenige Einzelprojekte beschränken. Denn Chemikalien in Erdschichten bis 3.000 Meter Tiefe zu pumpen, um Erdgas aus Schiefergestein zu lösen und kommerziell zu fördern, bleibt weiterhin verboten. Allenfalls wissenschaftliche Probebohrungen, die das Trinkwasser nicht gefährden, sind unter scharfen Vorgaben und Kontrolle einer sechsköpfigen Expertenkommission möglich. Eine Industrienation wie Deutschland tut gut daran, das Forschen zum unkonventionellen Fracking zu erlauben. Nur so können die Erdgas-Vorkommen realistisch eingeschätzt werden und umweltfreundliche Verfahren. Der Gesetzesentwurf trifft den richtigen Ton.

Aus Politik und Zeitgeschichte

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