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Landwirtschaft
Jan Eisel
Schäden befürchtet

Verbot von Glyphosat abgelehnt

Die Koalition lehnt Forderungen der Opposition nach schärferen Anwendungsvorschriften oder ein Verbot des Einsatzes von Glyphosat zur Unkrautbekämpfung ab. Der Bundestag hat am vergangenen Freitag gegen einen Antrag der Fraktion Die Linke (18/1873) gestimmt, ein weiterer Antrag der Fraktion Bündnis 90/Die Grünen
(18/5101) wurde zur Beratung an den Agrarausschuss überwiesen.

5.900 Tonnen Verbrauch Glyphosat ist nach Darstellung des Bundesinstitutes für Risikobewertung (BfR) weltweit einer der am meisten eingesetzten Wirkstoffe in Unkrautbekämpfungsmitteln, die zur Verhinderung von unerwünschtem Pflanzenwuchs im Kulturpflanzenbau oder zur Beschleunigung des Reifeprozesses bei Getreide (Sikkation) verwendet werden. Deutsche Landwirte setzen pro Jahr rund 5.900 Tonnen Glyphosat bei der Feldbewirtschaftung ein, etwa 40 Tonnen werden im Haus- und Kleingartenbereich ausgebracht.

"Die Hersteller von Pestiziden feiern Rekordumsätze", sagte Harald Ebner (Bündnis 90/Die Grünen). Darunter erlange der Wirkstoff Glyphosat traurige Berühmtheit, denn es verursache Erbgutschäden und könne krebserregend sein. Deshalb sollen anstehende EU-Neuzulassungsverfahren gestoppt und ein Moratorium für die nationale Zulassung ausgesprochen werden. Eine Zulassung dürfe nur erfolgen, wenn eine entsprechende Bewertung durch die Arbeitsgruppe der Krebsforschungsagentur (IARC) der Weltgesundheitsorganisation (WHO) in die Entscheidung einfließt. "Denn das IARC hat Glyphosat als wahrscheinlich krebserregend eingestuft", sagte Ebner.

Die IARC-Einstufung relativierte Hermann Färber (CDU/CSU), denn auch Mate-Tee oder die Arbeit in Friseursalons seien ebenso eingestuft worden. "Doch die Opposition hat dafür keine Verbotsmaßnahmen gefordert." Bestätigt sah sich Färber durch Stellungnahmen anderer WHO-Gremien oder der Europäische Behörde für Lebensmittelsicherheit (Efsa), die die Einschätzung der IARC nicht teilen würden. Richtig sei aber, dass die Einstufung Grund zur weiteren Überprüfung sein müsse.

Zurückhaltende Anwendung "Die wissenschaftliche Kompetenz der IARC in Frage zu stellen, ist inakzeptabel", kritisierte Kirsten Tackmann (Die Linke). Es sei bedenklich, dass keine adäquaten Studien über die Vermutungen vorliegen würden. "Über das konkrete Ausmaß ökologischer Schäden wissen wir fast nichts." Die Linke drängt auf eine zurückhaltende Anwendung von Glyphosat. Durch eine Änderung des Pflanzenschutzgesetzes soll die Zulassung des Wirkstoffes eingeschränkt und der Gebrauch im Haus- und Gartenbereich verboten werden.

Die Sozialdemokraten wollen sich Zeit lassen. Bevor ein umfassendes Verbot diskutiert wird, sollen alle neuesten Informationen und Studien abgewartet werden. "Es bedarf mehr Forschung, um Alternativen zu entwickeln, die die landwirtschaftliche Produktion nicht hemmen und keine anderen Nebenwirkungen haben", sagte Rita Hagl-Kehl (SPD).

Aus Politik und Zeitgeschichte

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