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Aufgekehrt
Sören Christian Reimer
Apokalypse mit Flair

Der Weltuntergang steht unmittelbar bevor. Zombies, Außerirdische, der Blob, die vier Reiter der Apokalypse oder banale Dinge wie ein Meteor sind dabei, die Menschheit auszulöschen. Es wird Zeit, unterirdisch auf ein Abflauen der wie auch immer gearteten Bedrohung zu warten. Das ist vor allem für betuchtere Zeitgenossen ein ernsthaftes Problem. Wer schon überirdisch an Villa und Penthaus gewöhnt war, von dem kann ja nicht ernsthaft erwartet werden, sich in Krisenzeiten den Bunker mit dem überlebenden Pöbel zu teilen. Den meist puristischen, an reiner Zweckmäßigkeit ausgerichteten Bunkeranlagen fehlt es zudem schlicht an Flair und Extravaganz.

Wie gut, dass es den US-Unternehmer Larry Hall und sein Luxusbunker-Projekt gibt. Hall hat zwei alte, nicht mehr genutzte Atomsilos der US-Armee übernommen, ein Drittes ist laut Medienberichten in Planung, und Schutzräume mit gehobenem Standard eingebaut. Im Fall der Fälle lasse es sich mehrere Jahre autark in der Anlage leben. Selbst Fische könnten unter der Erde gezüchtet werden. Bis in 53 Meter Tiefe kann der geneigte Käufer zwischen der kleinen (zirka 84m² Wohnfläche, 1,5 Millionen Dollar) oder der großen Variante (zirka 169m², 3 Millionen Dollar) wählen und sich, seine Familie und/oder ausgewählte Freunde unterbringen. Das sind für die Gegend – die Silos liegen im eher glamourfreien Bundesstaat Kansas – happige Preise, dafür soll die Ausstattung (LED-Fernseher!) entschädigen. Zudem wird in den ehemaligen Silos auch ein Swimming Pool, ein Spa-Bereich und ein Workout-Raum eingebaut. Nur weil die Welt untergeht, muss man ja noch lange nicht so aussehen – und wohnen.

Aus Politik und Zeitgeschichte

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