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Aufgekehrt
Hans Krump
Gierige Mickeymäuse

Nach dem Gelde drängt, am Gelde hängt doch alles, heißt eine alte Weisheit frei nach Johann Wolfgang von Goethe. Heute ist es offenbar das Geld der Deutschen, an dem so vieles hängt. Nicht nur das taumelnde Griechenland. Auch Europas größter und schon lange kriselnder Vergnügungspark Disneyland Paris will sich offenbar am arglosen Nachbarn schadlos halten. So hat die "Financial Times" herausgefunden, dass Deutsche im Internet für ein Premium-Paket 2.447 Euro bezahlen müssen, während einheimische Franzosen nur 1.346 Euro berappen müssen. Briten liegen in der Mitte bei 1.870 Euro. Franzosen zahlen auf der französischen Webseite für ein Tagesticket 47 Euro, auf der deutschen Webseite kostet es mit 84 Euro fast doppelt so viel.

Jetzt will die EU-Kommission ein Verfahren wegen "Preisdiskriminierung" gegen Frankreich eröffnen, auch wenn Disneyland Paris in amerikanischer Hand ist. Der Vergnügungspark mit jährlich 14 Millionen Besuchern verteidigt sich schmallippig mit Argumenten wie Schulferien und lokalen Märkten. Aber wir wissen es schon: Alles gelogen, der Ruf vom sagenhaft reichen Nachbarland - trotz zwei Billionen Rekord-Schulden - hat die trickreichen Mickeymäuse in Paris längst gebannt. Freilich muss man trotz aller Empörung auch hierzulande ein wenig leise treten, denkt man an die Maut-Tricksereien unseres Verkehrsministers, bei der Ausländer schlechter wegkommen sollten als die Einheimischen. Auch in Brüssel zur Prüfung. Bis zur Klärung der Sachverhalte gilt denn wohl der Spruch von Walt Disneys ewig erfolglosen Panzerknackern immer weiter: "Wer Geld hat, dem soll es genommen werden." 

Aus Politik und Zeitgeschichte

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