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Gastkommentare - Pro
Ulrike Herrmann, "die tageszeitung"
Vorbild Schweden

Briefkastenfirmen verbieten?

Anonyme Briefkastenfirmen müssen verboten werden. Steuerflucht ist kein Kavaliersdelikt, sondern Diebstahl. Zudem ist sie ein "Privileg", das allein Reiche genießen. Denn nur die Vermögenden können sich die hohen Bankgebühren leisten, die fällig werden, wenn man in eine Steueroase flüchten will. Normalverdiener hingegen haben keine Wahl: Ihre Steuern werden direkt vom Lohn abgezogen.

Es reicht jedoch nicht, nur anonyme Briefkastenfirmen zu verbieten. Für alle Firmenkonstrukte muss gelten, dass ihre Eigentümer in Transparenzregistern offen aufgelistet sind. Sonst würden die Steuersünder einfach in andere Rechtsformen flüchten - und keine klassische Briefkastenfirma mehr gründen, sondern eine GmbH, eine Stiftung oder eine Holding.

Da sich die anonymen Firmen vorzugsweise in Steueroasen wie Panama oder den britischen Jungferninseln befinden, kann der deutsche Staat natürlich nicht direkt zugreifen. Aber ein ausdrückliches Verbot ist auch gar nicht nötig. Es würde schon reichen, wenn den deutschen Banken untersagt würde, mit anonymen Briefkastenfirmen zu kooperieren. Denn die deutschen Steuerflüchter wollen ja nicht in Panama wohnen; sie wollen ihr Geld bequem von zuhause aus verwalten. Also wenden sie sich an ihre Bank in Deutschland, die dann eine anonyme Briefkastenfirma in Panama bestellt. Dieser Unsinn muss aufhören - durch drakonische Strafen für die Banken.

Die neuen Transparenzregister müssen öffentlich einsehbar sein, um eine lückenlose Kontrolle zu gewährleisten. In Deutschland gilt es als undenkbar, dass die Nachbarn wissen, wieviel Steuern jemand zahlt. In Schweden ist dies normal. Die Skandinavier sollten unsere Vorbilder sein.

Aus Politik und Zeitgeschichte

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