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Eva Bräth
Oh wie schön ist Panama

Tummelplatz für Finanzhaie und Geldwäscher

Wer Panama hört, denkt zuerst an den Kanal. Seit Veröffentlichung der "Panama Papers" hat sich das geändert: Die ganze Welt schaut auf den Finanzsektor des Niedrigsteuerlandes, in dem 214.000 Briefkastenfirmen ihren Sitz haben. Mag die Zahl auch überraschen - dass die 3,8-Millionen-Einwohner-Republik Offshore-Firmen denkbar günstige Bedingungen bietet, ist nicht neu. Die Geschichte der "Steueroase Panama" begann bereits 1919. Mit der Registrierung ausländischer Schiffe half das Land der amerikanischen Raffinerie Standard Oil, Besteuerung und Regulierung in den USA zu umgehen. Diese Praxis hat sich durchgesetzt: So fuhren 2014 rund 21 Prozent der Schiffe weltweit unter panamaischer Flagge.

In den 1970er Jahren erfolgte der Aufschwung zum Offshore-Paradies. Als Verbindungsglied von Nord- und Südamerika, Pazifik und Atlantik ist Panama ein wichtiger Verkehrsknotenpunkt für Güter. 14.000 Schiffe jährlich passieren die 82 Kilometer lange Wasserstraße. Um den Warenstrom herum entstand ein riesiger Finanzdienstleistungssektor, der heute für sieben Prozent des Bruttoinlandsprodukts aufkommt. Die Anbindung der Währung an den US-Dollar erleichtert die Geschäfte für ausländische Firmen zusätzlich. Das Land gilt seit 1990 als stabile Demokratie. Obgleich seitdem jede demokratische Wahl einen Regierungswechsel zur Folge hatte, können Anleger in Sachen Finanzpolitik Kontinuität erwarten. Heute erfüllt das Land alle Charakteristika einer Steueroase: Es gibt keine Kapitalertrags-, Gewinn- oder Erbschaftssteuer sowie nur eine geringe Finanzmarktaufsicht und -regulierung. Treuhand- und Steuerberater stellen ihr Know-how für die Gründung einer Panamaischen Privatstiftung zur Verfügung. Anonymität ist hier besonders geschützt.

Wer gegen das rechtlich abgesicherte Bankgeheimnis verstößt, muss mit einer Geldstrafe von 50.000 US-Dollar oder Freiheitsstrafe rechnen. Diese Regelung macht Panama auch für illegale Finanztransaktionen attraktiv. In den 1980er Jahren Bankenzentrum der kolumbianischen Drogenkartelle, kämpft es nun gegen den Ruf als "Geldwäschebecken". Panamas Regierung unter Präsident Juan Carlos Varela hatte 2015 nach OECD-Kritik neue Richtlinien für Banken, Versicherungen, Immobilienfirmen sowie Wertpapier- und Edelsteinbörsen geschaffen. OECD-Chef Angel Gurría bemängelt aber, Zusagen seien nicht eingehalten worden.

Aus Politik und Zeitgeschichte

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